Neuer Blickfang am Stadionring

Andreas Rorowski
Das große Abreißen hat begonnen - hier macht das Mietshaus an der Kreuzung Stadionring / Küpperstraße Bekanntschaft mit dem Bagger.
Das große Abreißen hat begonnen - hier macht das Mietshaus an der Kreuzung Stadionring / Küpperstraße Bekanntschaft mit dem Bagger.
Foto: Dietmar Wäsche / WAZ Fotopool
Die VBW Bauen und Wohnen schließt ihre 2002 gestartete Quartiersentwicklung an der Castroper Straße ab. Bis 2016 sollen noch einmal 22 Millionen Euro investiert werden. Zurzeit arbeiten die Abrissbagger. Baubeginn für Wohnhäuser und Geschäftsgebäude soll im Frühjahr 2014 sein.

Bochum. Von Weitem betrachtet sieht es aus wie der Versuch, der Fassade einer in die Jahre gekommenen Häuserzeile ein spannendes Aussehen zu geben. Wer von der A40 kommend den Stadionring hinauffährt, sieht aber bald, dass das Gegenteil der Fall ist. Besagte Häuserzeile mit den weißen Quadraten und Punkten ist das Überbleibsel zurückgebauter Dämmung, die Kehrseite abgerissener Styroporplatten.

Die Abrissbagger sind am Werk am Dreieck Stadionring-Küppersstraße. Sie machen Platz für den letzten Abschnitt eines neu gestalteten Quartiers. Für 22 Millionen Euro wird die VBW Bauen und Wohnen Wohn- und Geschäftsgebäude errichten. Baubeginn soll im Frühjahr 2014, Bauende 2016 sein. 14 Jahre nach dem Auftakt unweit des Stadtparks und einer dann auf insgesamt etwa 45 Millionen Euro gewachsenen Investitionssumme wird ein gesamtes Quartier ein völlig anderes Gesicht bekommen haben. Die Bauten aus den 1930er und 1950er Jahren sind entweder aufwändig saniert wie im Mittelabschnitt des rechteckigen Areals oder neu errichtet wie im unteren Bereich der Küppersstraße.

Alle Wohnungen belegt

Der Erfolg gibt der VBW recht: Alle Eigentumswohnungen seien mittlerweile verkauft, alle Mietwohnungen an den Mann gebracht. Es ist die Mischung aus beidem, so Geschäftsführer Dieter Kraemer, die sich wohltuend auf ein Quartier auswirke. Indes hätte die Sanierung der Mietwohnungen wie so oft bei der Aufarbeitung älterer Gebäude Überraschendes zu Tage gebracht und die Kosten in die Höhe getrieben. Diese Erfahrung habe dazu geführt, erste Überlegungen, Teil des letzten Komplexes unweit des Rewirpower-Stadion ebenfalls zu renovieren, über den Haufen zu werfen. „Die Kosten erschienen uns zu hoch, um eine Sanierung zu wagen“, so Kraemer.

Daher wird nun abgerissen und neu gebaut. Dass Jörg Bammer am Dienstagmorgen seinen auf einem fünf Meter hohen Schutthaufen platzieren Bagger wegen einer defekten Dichtung ausstellen musste, hat den Zeitplan nicht wirklich aus den Fugen gebracht. In vier bis fünf Wochen, so der 46-Jährige vom Abbruchunternehmen Seggewiß aus dem Münsterland, wird die Eckhäuserzeile dem Erdboden gleich gemacht sein. Trotz der erstaunlich starken Bewehrung. „Da steckt viel Eisen drin“, sagt Bammer, nickt anerkennend und dreht sich eine Zigarette. Entkernt sind die Häuser bereits: Styropor, Glaswolle, Fenster, alles ist raus. Und wenn die Schuttberge vor Ort in einem 60-Tonner-Zerbecher zerkleinert sind, wird am Ende auch noch der Keller aus dem Erdreich gebuddelt.

„Völlig neues Stadtentrée“

Abgeschlossen sein wird bis dahin das Ausschreibungsverfahren. Ein Generalunternehmer wird mit der Ausführung des dritten Bauabschnitts betraut, das unter dem Motto „hochwertige Architektur am Stadtpark“ betrieben werden und in Höhe Stadionring/Castroper Straße nicht „ein völlig neues Stadtentrée“ schaffen soll. Es entstehen nach dem Entwurf des Kölner Planungsbüros Coersmeier, unlängst auf der Expo Real in München vorgestellt, 17 Eigentumswohnungen, 43 Mietwohnungen, Tiefgarage und 2720 m² Gewerbefläche, die mit Einzelhandel, Gastronomie und angesichts der Nähe zu zwei Krankenhäusern mit Mietern aus dem Bereich Gesundheit bestückt werden sollen.

Gebaut wird in mehreren Abschnitten: erst an der Küppersstraße mit den Eigentumswohnungen, dann zu zwei Dritteln am Stadionring-Riegelbau. Die Gewerbeflächen am oberen Ende des Stadionrings und der Castroper Straße werden zuletzt erstellt. Bleiben soll der Innenhofcharakter des Häuserensembles, auch die Bäume sollen – „nach Möglichkeit“ (Kraemer) – erhalten bleiben.