Neue Patienten in Bochum sollen auf Keime untersucht werden

Thomas Schmitt
Gesundheitsamt und Krankenhäuser in Bochum gehen beim Kampf gegen multiresistente Erreger in die Offensive. Foto: Michael Kleinrensing
Gesundheitsamt und Krankenhäuser in Bochum gehen beim Kampf gegen multiresistente Erreger in die Offensive. Foto: Michael Kleinrensing
Foto: WP Michael Kleinrensing

Bochum. Gesundheitsamt und Krankenhäuser in Bochum sagen den multiresistenten Erregern den Kampf an. Alle Patienten, die stationär in einer Klinik aufgenommen werden, sollen auf Keime untersucht werden.

Gesundheitsamt und Krankenhäuser gehen beim Kampf gegen multiresistente Erreger (MRE) in die Offensive. In den kommenden Wochen sollen in Bochum möglichst alle Patienten, die stationär in einer Klinik aufgenommen werden, auf multiresistente Staphylokokken (MRSA) untersucht werden – vorgesehen ist ein Nasenabstrich.

Erschreckende Perspektiven

Bei rund 30 Prozent lag im Jahr 2009 vor Ort der Anteil der MRSA an allen Staphylokokken – das entspricht ziemlich exakt dem Bundesdurchschnitt. Nahezu verdoppelt hat sich hingegen in den vergangenen vier Jahren das Auftreten anderer Keime (EBSL), die ebenfalls nicht mit herkömmlichen Antibiotika zu behandeln sind.

Sollte es künftig nicht gelingen, die Hygiene zu verbessern und die Rate an Keimen zu senken sowie ihre Verbreitung zu verhindern, so befürchtet Dr. Ralf Winter Schlimmes: „Lungenentzündungen, Blutvergiftungen oder Harnweginfekte werden uns dann zunehmend vor große Probleme stellen“, sagt der Leiter des Gesundheitsamtes.

Keime machen an der Stadtgrenze nicht halt

Sein Amt baut ein MRSA-Netzwerk auf, dem nicht nur die Kliniken, sondern u.a. auch Pflegeheime, ambulante Pflegedienste, Dialyseeinrichtungen und Labore angehören sollen. „Ziel ist es“, so Winter, „verbindliche Standards für den Umgang mit MRSA festzulegen.“ Da Keime nicht an der Stadtgrenze halt machen, hat sich das Bochumer Netzwerk bereits dem MRE-Net angeschlossen, einem Verbund aus dem Bereich Münsterland und Twente (Niederlande).

Die Teilnahme an dem Screening ist für Patienten freiwillig. Winter hofft aber, dass mindestens 55 Prozent mitmachen, damit der Ist-Zustand vor Ort möglichst realistisch abgebildet wird.