Netzwerkerin einer neuen Generation

Nadin Deventer (35J.), Bochumer Kuratorin und Projektmanagerin, ist Gründerin von "jazzwerkruhr" und in den Vorstand von "EuropeJazzNetwork" gewählt worden.
Nadin Deventer (35J.), Bochumer Kuratorin und Projektmanagerin, ist Gründerin von "jazzwerkruhr" und in den Vorstand von "EuropeJazzNetwork" gewählt worden.
Foto: WAZ Fotopool
Bochum.Nadin Deventer ist als Kultur-Koordinatorin in ganz Europa aktiv. Jüngst wurde sie in den Vorstand eines europäischen Netzwerks gewählt.

Sie kommt grade aus Dublin und ist quasi schon auf dem Sprung nach Brüssel, wo ARTE ein Interview mit ihr machen will. Danach ist dann noch eine Sitzung in Trondheim. Dazwischen ist Nadin Deventer kurz in Bochum, wo sie zumindest meistens mit Kind und Mann lebt. Sie sagt von sich, dass sie einer „neuen Generation“ von Kulturnetzwerkern angehört.

Bochum als Wahlheimat

Die 35-Jährige sitzt seit Herbst letzten Jahres als einzige Deutsche im Vorstand des Europe Jazz Networks. In Bari bei 35 Grad im Schatten wurde sie bei der letzten Generalversammlung des Musik-Verbandes mit 88 Mitgliedern in 27 Ländern gewählt. Das ist aber nur die neueste Station eines Lebens, das sich bisher ganz dem Konzept „Europa“ gewidmet hat.

Schon als 15-jährige setzte die gebürtige Ibbenbürenerin durch, ein Jahr in Paris zur Schule gehen zu dürfen. Bis sie nach Bochum kam, habe sie nie länger als drei Jahre irgendwo gelebt, sagt sie stolz. Sie hat in Paris, Amsterdam und Berlin allerhand studiert zwischen Musikhochschule und „European Studies“, hat für den Deutschen Bundestag genauso gearbeitet wie für ein Brüsseler Theaterfestival und die Ruhrtriennale. Ins Ruhrgebiet kam sie vor allem durch die Kulturhauptstadt. Seit 2007/08 arbeitete sie an nachhaltigen Konzepten, die die Jazz-Szene im Ruhrgebiet mit angrenzenden Ländern verbindet. „Jazzplayseurope“ nennt sich dieses Netzwerk. Für die Kulturhauptstadt stellte sie als Projektmanagerin viele Veranstaltungen auf die Beine. Eine Anekdote: Kulturhauptstadt-Chef Oliver Scheytt soll beim Anblick der hochschwangeren Nadin Deventer - drei Tage vor Entbindung - ausgerufen haben: „Wie wollen Sie das schaffen?“. Die Frage beantwortet sie auch heute noch mit Hinweis auf den Vater ihres Kindes. Ingmar Kurenbach, Theatermusiker am Schauspielhaus, mache das vor allem möglich.

Musikhaus ohne Jazz-Beteiligung?

Neben ihrer internationalen Tätigkeit will Deventer ihre Expertise auch in ihrer Wahlheimat Bochum einbringen. So engagiert sie sich derzeit beim N.A.T.U.R.-Festival, wobei sie aus ihrem Erschrecken über die aus ihrer Sicht unzureichenden Hilfe aus dem kommunalen Kulturbüro keinen Hehl macht. „Für ein Festival, das mit einer herausragenden Konzeption und schon das dritte Jahr in Folge stattfindet, ist das ein Witz“. Auch kenne sie keine Menschen aus der Jazz-Szene, die bisher seitens der Stadt zum Thema „Musikzentrum“ gefragt worden wären.

Doch insgesamt ist die Vielgereiste begeistert vom Ruhrgebiet, das sie „als ein Ganzes“ sieht. Sie genieße das „urbane Umfeld, manchmal roh und brutal“, doch voller „unfassbarer Möglichkeiten“. Nadin Deventer sollte es eigentlich wissen.

 
 

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