Naturfreundin bleibt bei der Stange

Eine ganze Schule packte mit an und sammelte Müll
Eine ganze Schule packte mit an und sammelte Müll
Foto: WAZ
Bochum stinkt’s: Weite Teile der Stadt werden durch Müll und Unrat verschmutzt. Doch immer mehr Bürger belassen es nicht beim Ärgern. Sie greifen selbst zu Besen und Kehrschaufel.

Bochum.. Rosafarbene Heckenrosen wiegen sich sanft in der Frühlingssonne. Die Wiese zeigt ihr sattestes Grün, dicke Hummeln umschwirren die farbenprächtigen Blüten. Ja, hier auf dem Tippelsberg ist die Welt noch in Ordnung. „Von wegen“, wettert Kati Stange, Initiatorin der Aktion „Sauberer Tippelsberg“. „Sie hätten mal sehen sollen, wie das hier noch vor Wochen aussah!“

Stolze 550 Kilogramm Müll sammelten sie und weitere 14 Helfer beim letzten Großreinemachen ein. Tag für Tag kommt neuer Unrat hinzu, um dessen Beseitigung sich Kati Stange in Eigenregie kümmert. Ein kräftiger Griff – und der Dreck landet direkt im Plastikbeutel der resoluten Frau, mit der sich lieber kein Umweltsünder anlegen sollte.

Seit über fünf Jahren marschiert Kati Stange auf den Wegen des wohl schönsten Aussichtspunktes der Stadt. Damals wollte die Hundehalterin den Müll, den sie beim Gassigehen täglich sah, nicht länger hinnehmen. Zu sehr hängt ihr Herz an diesem herrlichen Stück Natur. „Und den Dreck, den macht ja sonst keiner weg,“ sagt sie.

Ganz so stimmt das nicht. Einmal wöchentlich reinigt der Technische Betrieb der Stadt das Gelände, für das das Umwelt- und Grünflächenamt zuständig ist. „Dennoch kommt leider täglich viel Müll hinzu“, weiß Barbara Gottschlich, Pressesprecherin der Stadt Bochum. „Vor allem im Sommer.“

Schön hier? - Ja, aber nicht immer!

Was also tun? Rasch kam Kati Stange zu einer Lösung. Zunächst verteilte sie vor Ort Kotbeutel: kleine braune Plastiktüten „aus dem Euroladen“. Denn es war vor allem die „Hundescheiße“, wie sie sagt, die bis zum Himmel stank. Darüber hinaus benötigte die Frau mit den wachen grünen Augen professionelles Werkzeug, für insgesamt 15 Leute. Müllsäcke, Greifer und Handschuhe stellte der USB zur Verfügung. Mit ihrem Wagen fuhr sie zur Hanielstraße, holte die Saubermacher ab. Allein: Laubbesen, die sie und ihr Team dringend zur Beseitigung des Hundekots benötigten, gab es hier nicht. Die musste sich Frau Stange beim Technischen Dienst an der Holtbrügge besorgen. „Ein berufstätiger Mensch hätte für diesen Aufwand gar keine Zeit“, so die Pensionärin, die ihr Alter charmant mit 65 plus benennt.

Das freiwillige Team teilte Kati Stange in drei Gruppen ein. Schließlich galt es, den Nord-, Ost-, Süd- und Westhang gründlich zu reinigen, und zwar jeden einzelnen Meter, „bis ganz oben hin“, 150 Meter hoch. Fotos dokumentieren den Fleiß der emsigen Einsatzkräfte. Man kann sich lebhaft vorstellen, dass am Ende kein Schnipselchen mehr auf dem Boden lag.

Mit dem einmaligen Einsatz aber war und ist es leider keineswegs getan. Kati Stange setzt sich weiterhin für einen sauberen Tippelsberg ein, befreit das Areal täglich von Hundekot, Müll und Scherben. „Viele fahren einfach auf den Parkplatz und schmeißen leere Pizzakartons aus dem Fenster, obwohl zwei Meter weiter der Papierkorb steht“, grollt sie. Ein Dorn im Auge sind ihr vor allem trinkende Besucher, die ihre Flaschen zerschmettern, bevor sie wieder verschwinden.

Es ist die Achtlosigkeit der Menschen, die Kati Stange besonders auf die Palme bringt. Vor allem hier, an diesem Ort, im Norden der Stadt, an dem ihr Herz so hängt.

Erneut bückt sich die schlanke Frau nach einem Stück Papier, das im hohen Gras liegt. „Ach!“, ruft sie ausnahmsweise erfreut. „Ein Fünf-Euro-Schein!“ Geld, das hat sie in all den Jahren noch nie gefunden. „Sehen Sie“, lacht die Naturfreundin, „es lohnt sich halt, sich nach jedem Papierchen zu bücken.“

USB unterstützt das Großreinemachen

„Jeder Bürger, der Verantwortung übernimmt, ist ein Vorbild“: Ordnungsdezernentin Diane Jägers appelliert an alle Bochumer, das Müllproblem nicht allein der Stadt zu überlassen, sondern selber aktiv zu werden: vor der eigenen Haustür, gemeinsam in der Nachbarschaft.

Engagierte Kinder, Jugendliche und Erwachsene gibt’s zum Glück reichlich. Wie auf dem Tippelsberg (Bericht oben) greifen zahlreiche Gruppen regelmäßig zu Besen und Kehrblech. „Wir unterstützen in Bochum jährlich rund 50 Aufräumaktionen mit etwa 3000 Teilnehmern“, berichtet Jörn Denhard, Sprecher des USB.

Kindergärten, Schulen, Vereine, Kirchengemeinden, Nachbarn, Privatpersonen: Wer zum kollektiven Großreinemachen aufruft, kann sich der Hilfe des USB gewiss sein.

„Wir stellen Handschuhe für Groß und Klein, ausreichend Säcke und Greifzangen zur Verfügung. Außerdem kümmern wir uns um den Abtransport des gesammelten Abfalls – selbstverständlich alles kostenlos“, so Jörn Denhard.

Heute sammeln „Christopher Weidenbach and friends“ in Hamme. Die Aktion ist ein Geschenk für Christian Koester, der sich die Putz-Offensive zum Geburtstag (!) gewünscht hat. Christopher Weidenbach „and friends“ organisieren das außergewöhnliche Präsent.

Ebenfalls am heutigen Samstag sind die Baptisten in Linden unterwegs. Motto: „Wir sammeln auf, was andere einfach wegwerfen.“

Die Hilfe des USB nehmen in der nächsten Zeit u.a. auch die Albert-Schweitzer-Schule (mehr als 100 Jungen und Mädchen rücken zum Müllsammeln aus) und die Arnoldschule mit 140 Schülern wahr.

Wer Interesse hat, sich bei einer Aufräum- und Stadtputzaktion unterstützen zu lassen, meldet sich beim USB an der Hanielstraße. Ansprechpartnerin ist Birgit Grevelding, 0234/333 62 76.

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