Nachdenken über Kunst am Ostring

Jürgen Boeber-Süßmann
Das Wandmosaik „ Phönix“ im ehemaligen Gymnasium am Ostring.. Foto: Monika Kirsch / WAZ FotoPool
Das Wandmosaik „ Phönix“ im ehemaligen Gymnasium am Ostring.. Foto: Monika Kirsch / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Bochum. Noch 2011 soll mit dem Abriss des aufgegebenen Gymnasiums am Ostring (GaO) begonnen werden, um Platz zu schaffen für das neue Justizzentrum. Unklar ist, was mit der im GaO versammelten Kunst passieren soll.

Von Interesse sind dabei vor allem die Außeninstallation „Experimentierfeld für Kunstpädagogik“ von Friedrich Gräsel (1979) und, im Innern, das großformatige Wandmosaik „Phönix“ des Künstlers Heinrich Wilthelm von 1959.

Was das „Experimentierfeld“ angeht, hat die erneut eingesetzte „Fachkommission für Kunst im öffentlichen Raum“ mit Friedrich Gräsel bei einem Ortstermin Möglichkeiten des Erhaltes der Schulhofgestaltung durch eine Umsetzung bzw. Neuanfertigung ausgelotet. Überraschendes Ergebnis: Der Künstler sieht sein Schulhofgestaltung für zerstört an und betonte, dass ein Versuch, das Werk zu erhalten, nicht in seinem Sinne sei. Die Kunst-Gestaltung sei als Konzept mit Schulbenutzung geplant gewesen und habe nur als „Paket“ mit seinem kunstpädagogischen Inhalten und seinem Ortsbezug zum Gymnasium Sinn gemacht.

Der Erfolg des „Experiments“ wäre jedoch von Anfang an ausgeblieben, beklagte Gräsel. Durch Missnutzung und Vernachlässigung sei die Schulhofgestaltung gleich nach der Einweihung 1979 zerstört worden, da seitens der Schule „die richtige pädagogische Hand“ gefehlt habe. Die Reste der Schulhofkunst seien nur mehr ein „Schutthaufen, gegen dessen Entfernung nichts einzuwenden“ sei. Die Gräsel-Arbeit soll nun abschließend Dokumentiert und mit dem Umbau des GaO abgerissen werden.

Ein günstigeres Schicksal winkt - möglicherweise - dem „Phönix“ hinter dem historischen Haupteingang; es handelt es sich um eine vier Meter hohe und 6,30 Meter breite Farbkomposition aus Rot- und Brauntönen, die von schwarzen Linien durchzogen und von weißen Flächen durchsetzt ist. Zu sehen ist ein aufsteigender Vogel, dessen Flügelschlag abstrahierend in verschiedenen Phasen dargestellt ist. Das Thema des Wandmosaiks (Gegenwart) kontrastiert die wilhelminische Fassadenaussage (Vergangenheit).

Beim Lokalaugenschein der Fachkommission wurden Abnutzungserscheinungen festgestellt, im Ganzen sei die Substanz des Kunstwerkes aber noch gut, hieß es. Ein Gutachten bezeugt, dass das Mosaik zu retten wäre – allerdings wäre dann der Gebäudeabriss nicht wie geplant möglich. Die Fachkommission hat dem Kulturausschuss empfohlen, den „Phönix“ als kunsthistorisch und stadtgeschichtlich bedeutendes Zeugnis „dringend“ zu erhalten. Wie eine Abnahme, eine Zwischenlagerung und eine evtl.. Wiederaufbau des Großmosaiks bezahlt werden kann/soll, steht allerdings in den Sternen.