Bochum

Nach verheimlichter Vergewaltigung in Bochum: So werden verurteilte Sexualstraftäter in NRW betreut

In Bochum ist vor Kurzem auf dem Blumenfriedhof eine 33-Jährige vergewaltigt worden. Der verdächtige Bochumer ist ein verurteilter Sexualstraftäter.
In Bochum ist vor Kurzem auf dem Blumenfriedhof eine 33-Jährige vergewaltigt worden. Der verdächtige Bochumer ist ein verurteilter Sexualstraftäter.
Foto: Jürgen Theobald/Funke Foto Services
  • In Bochum ist vor Kurzem eine 33-Jährige vergewaltigt worden
  • Der verdächtige Bochumer ist ein verurteilter Sexualstraftäter
  • Er hatte seit 2014 an einem Präventionsprogramm namens „KURS“ teilgenommen
  • So werden Sexualstraftäter in NRW betreut

Bochum. Es ist eine schreckliche Tat, die im Februar bekannt geworden ist: Eine 33-jährige Frau ist Mitte Februar auf dem Bochumer Blumenfriedhof vergewaltigt worden. Der mutmaßliche Täter hatte die Frau angesprochen und begleitet. Dann schlug er sie mit einem Stein, entkleidete und vergewaltigte sie. Der Mann ist ein verurteilter Sexualstraftäter aus einem Präventionsprogramm namens „KURS“.

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Was ist „KURS“ überhaupt?

KURS steht für „Konzeption zum Umgang mit rückfallgefährdeten Sexualstraftätern in Nordrhein-Westfalen“. Das Programm, das am 1. Februar 2010 eingeführt worden ist, soll einen Rückfall Verurteilter verringern.

Dabei tauschen Strafvollzug, Maßregelvollzug, Vollstreckungsbehörden, Bewährungsaufsicht, Führungsaufsicht und Polizei Informationen zu dem Betroffenen aus, die von der sogenannten „Zentralstelle KURS“ koordiniert werden.

Laut Konzept gehören Personen zur Zielgruppe, die „wegen Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung oder wegen eines Tötungsdeliktes mit sexueller Motivation [...] verurteilt worden sind und bei ihrer Entlassung aus dem Strafvollzug kraft Gesetzes oder infolge gerichtlicher Anordnung unter Führungsaufsicht stehen.“

Einteilung in eine von drei Risikogruppen

Wie die Rückfallgefährdeten betreut werden, wird individuell angepasst, dafür werden sie in drei Risikogruppen (A, B oder C) eingeteilt.

Vor der Entlassung des Betroffenen gibt die jeweilige JVA oder psychiatrische Einrichtung Unterlagen wie Gutachten, Stellungnahmen und die Einstufung in die Risikogruppe an die Vollstreckungsbehörde weiter. Parallel wird das Landeskriminalamt über den neuen Wohnsitz der Person informiert. Entlassene Sexualstraftäter der Zielgruppe stehen anschließend unter sogenannter Führungsaufsicht.

Führungsaufsicht bedeutet Hilfe, Betreuung und Überwachung

Diese Führungsaufsicht wird in der Regel für eine Dauer von 1 bis 5 Jahren angeordnet. Die Aufgaben der Aufsicht gliedern sich in Hilfe, Betreuung und Überwachung. Hilfe und Betreuung bekommt der Verurteilte in Form von Lebensberatung, Wohnungs- und Arbeitssuche, bei der Überwindung von Sucht und Verschuldung sowie im Umgang mit Behörden.

Die Überwachung findet so statt, dass die Führungsaufsicht das Verhalten der Person überprüft und von allen öffentlichen Behörden dafür auch Auskünfte einholen kann. Auch Weisungen kann die Aufsicht abgeben. Verstöße werden direkt an zuständige Gerichte berichtet.

Verdächtiger stand seit Mitte 2014 unter Führungsaufsicht

Im Fall der Bochumer Vergewaltigung stand der Verdächtige laut Polizei Bochum seit Mitte 2014 unter Führungsaufsicht. Er habe bereits 2009 und 2010 „einschlägige Sexualdelikte begangen“, für die er verurteilt wurde. Unter anderem für sexuelle Nötigung und Vergewaltigung.

Die Sozialprognose des Mannes sei laut Polizei aber gut gewesen. Er habe einen Job und feste Partnerin gehabt, die von seinen Vorstrafen wusste. Außerdem nahm er Therapieangebote der Behörden wahr.

 
 

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