Bochum

Mann in Bochum lebendig begraben: Warum Obdachlose zur Zielscheibe von Gewalt werden

Wie gehen Menschen, die auf der Straße leben, mit dem Überfall auf den Obdachlosen in Bochum um? (Symbolbild)
Wie gehen Menschen, die auf der Straße leben, mit dem Überfall auf den Obdachlosen in Bochum um? (Symbolbild)
Foto: imago/Emmanuele Contini
  • In Bochum hat es einen schlimmen Angriff auf einen Obdachlosen gegeben
  • Wie gehen andere Obdachlose in Bochum damit um?
  • Wir sprachen mit der Diakonie

Bochum. Ein Obdachloser aus Bochum wurde Anfang November brutal überfallen. Der polnisch sprechende Mann (55) wurde mit einem Pflasterstein niedergestreckt, ging zu Boden. Dann flogen weitere Pflastersteine auf ihn. Der unbekannte Täter begrub den bewusstlosen Mann schließlich lebendig unter Steinen und Paletten. In letzter Minute konnte der 55-Jährige gerettet werden.

Wie reagieren andere Obdachlose auf den Überfall? Ändern sie jetzt ihren Tagesablauf aus Sorge um ihre eigene körperliche Unversehrtheit? Oder ihren Schlafplatz?

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Auf Anfrage von DER WESTEN sagt Christiane Caldow von der Wohnungslosenhilfe der Diakonie Ruhr: „Natürlich reagieren unsere Menschen besonders sensibel darauf, wenn jemandem ein solches Leid widerfährt, der zu unserer Klientel gehört. Das bleibt wegen der Medien nicht unbemerkt.“

Aber ob sie dadurch beispielsweise ihren Schlafplatz ändern würden, könne Caldow zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. „Wenn einem Wohnungslosen etwas hochheilig ist, dann ist es der Schlafplatz. Darüber wird normalerweise nicht gesprochen, das ist wirklich etwas sehr Heiliges.“

Warum werden Obdachlose überhaupt zur Zielscheibe?

Warum werden obdachlose Menschen überhaupt so häufig zu Zielscheiben derartiger Attacken? Caldow sagt: „Weil sie sich im öffentlichen Raum bewegen. Es gibt keinen Rückzugsort. Wenn das ganze Leben auf der Straße stattfindet, dann ist man auch optisch viel schneller eine Zielscheibe.“

Aber wie kann man helfen, ohne dass Wohnungslose Sorge haben müssen, dass man ihnen Böses will, wenn man sich nähert? Darauf sagt Caldow: „Ich bin immer davon überzeugt, dass Ansprache ein wichtiges Mittel ist.“ Betroffene solle man demnach zuerst fragen, ob sie überhaupt Hilfe brauchen.

„Häufig erleben wir es, dass Menschen entsetzt sind über abweisende Reaktionen. Aber wenn man genauer nachfragt, kommt heraus, dass die Hilfe quasi aufgedrängt wurde.“ Freiwilligkeit müsse immer bleiben, sagt Caldow. „Man erreicht den Menschen besser, wenn man fragt, ob er etwas braucht.“

 
 

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