Nach Äußerungen über Muslime wackelt Bochums Ober-Schütze

Otto Hirschmann wehrte sich in einer E-Mail dagegen, dass die WAZ das Bochumer Schützenwesen als tolerant beschrieb.
Otto Hirschmann wehrte sich in einer E-Mail dagegen, dass die WAZ das Bochumer Schützenwesen als tolerant beschrieb.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Otto Hirschmann gilt als wortgewaltiger Repräsentant des Brauchtums. Seit Jahren ist er Vorsitzender des Bochumer Schützenkreises. Weil er sich in bemerkenswerter Weise über Muslime in Schützenvereinen geäußert hat, wächst der Druck auf ihn. Hirschmann selbst ist offenbar seit Tagen abgetaucht.

Bochum. Nach seinen umstrittenen Äußerungen über die Rolle von Muslimen in Schützenvereinen gerät Verbands-Chef Otto Hirschmann unter Druck. Führende Vertreter der Brauchtums-Szene distanzieren sich vom Vorsitzenden des Bochumer Schützenkreises. Hirschmann selbst ist offenbar seit Tagen abgetaucht.

Der Westfälische Schützenbund, dem der Bochumer Kreis angehört, zeigt sich entsetzt von Hirschmanns Wortmeldung zum Thema Toleranz. „So etwas sagt man nicht“, erklärte Klaus Stallmann, Präsident des 90 000 Mitglieder zählenden Bundes. Die Vereine könnten aufnehmen, wen sie wollen. „Er kann sich natürlich äußern. Aber man sollte vorher überlegen, was man sagt“, so Stallmann.

Der Schützenkreis diskutiert

Otto Hirschmann hatte einen WAZ-Artikel über die vermeintlich tolerante Haltung der Bochumer Schützen in einer E-Mail an die Redaktion kommentiert: Der Text gebe nicht die Meinung des Schützenkreises wieder, man müsse sich nicht „als Beschützer muslimischer Mitglieder generieren“.

Im Schützenkreis werden die Äußerungen seitdem eifrig diskutiert. „Das ist eine ganz böse Sache“, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Bei einer Vorstandssitzung Ende August soll die Causa Hirschmann auf die Tagesordnung kommen. Der als sauertöpfisch geltende Altenbochumer, dem Vernehmen nach ein exzellenter Schütze, ist seit vielen Jahren oberster Repräsentant der Traditionalisten. Öffentlich machte er in dieser Zeit vor allem von sich reden, wenn er verdiente Mitglieder ehrte. Rosi von Truczynski vom ASV Westenfeld war seine Vorgängerin im Amt. Zu ihrem langjährigen Kollegen möchte sie sich nicht äußern, antwortet auf Nachfrage nur vielsagend: „Ich teile seine Meinungen nicht.“ Auch Werner Bublitz, Vorsitzender des BSV Freischütz Hiltrop, kennt den Verbands-Chef lange. „Ich weiß nicht, was die Diskussion um muslimische Mitglieder soll. Wir in Hiltrop haben auch viele Türken im Verein, damit hat hier keiner Probleme.“

Hirschmann will nichts mehr sagen

Die WAZ gab Otto Hirschmann erneut die Gelegenheit, sich über sein Verhältnis zu Ausländern zu äußern. Am vergangenen Wochenende übermittelte die Redaktion ihm zwei Fragen: „Wie stehen Sie zu muslimisch- und andersgläubigen Mitgliedern in Bochumer Schützenvereinen?“ sowie „Glauben Sie, dass Ihre Haltung in dieser Frage die Mehrheitsmeinung der Schützen wiedergibt?“ Hirschmann gab dazu keine Antworten.

 
 

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