Nach 45 Jahren macht Elly Altegoer ihr Lädchen in Bochum dicht

Sven Westernströer
Die „Rakete vom Ehrenfeld“ hört auf: Elly Altegoer will ihren Tante-Emma-Laden in Bochum nach fast 45 Jahren schließen.
Die „Rakete vom Ehrenfeld“ hört auf: Elly Altegoer will ihren Tante-Emma-Laden in Bochum nach fast 45 Jahren schließen.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Fast 45 Jahre stand Elly Altegoer wie eine Eins hinter der Theke ihres legendären Tante-Emma-Ladens im Bochumer Ehrenfeld, doch im Herbst ist Schluss. Das Ende einer Ära. Auch die prominenten Gäste, die hier bisweilen rein schauen, haben zur Popularität des kleinen Geschäftes beigetragen.

Bochum. Der Aushang im Schaufenster der Sparkasse am Schauspielhaus liest sich eher nüchtern: „Ladenlokal im Ehrenfeld zu verkaufen“, steht dort. „85 qm, Baujahr 1956, Kaufpreis: 80.000 Euro.“ Erst der Blick auf das Foto lässt aufhorchen: Was hier zum Verkauf steht, ist das wohl legendärste Tante-Emma-Lädchen der Stadt.

Nach fast 45 Jahren will Elly Altegoer ihr Geschäft an der Farnstraße in Bochum schließen und den Kittel an den Nagel hängen. Vermutlich im Herbst, spätestens Ende des Jahres soll Feierabend sein. „Mein Abschied hier wird das schwerste in meinem Leben“, sagt sie. „Aber irgendwann ist einfach mal gut.“

Dabei: Niemand drängt sie in den Ruhestand. Elly, die am 7. Juni 74. Geburtstag feiert, ist topfit. „Ich hab immer viel Milch getrunken und nie Alkohol angerührt“, sagt sie. „Mir geht’s blendend.“ Erst der Unfall eines Freundes, der mit 67 Jahren böse stürzte, habe sie nachdenklich gemacht. „Das war der Grund, warum ich gesagt habe: Man sollte aufhören, ehe es zu spät ist.“ Leicht fällt ihr das nicht: „Ich liebe jeden Stein in meinem Laden. Doch jetzt ruft die Vernunft.“

Abschied wird große Lücke hinterlassen

Wer soll ihr nachfolgen? Ellys Abschied, soviel ist sicher, wird eine kaum zu schließende Lücke in die Ehrenfelder Nahversorgung reißen. Eine ihrer treuesten Kundinnen ist Irma Lucius, die mit 95 Jahren jeden Tag bei Elly einkaufen geht. Das Essen kommt bei „Irmchen“ zwar auf Rädern, die Brötchen und den Aufschnitt aber gibt’s nur bei Elly. Kleines Quätschchen inklusive. „Bis zum Rewe zu laufen, ist mir zu weit“, meint sie. Und ohne Elly? „Muss ich halt zusehen.“

Viele prominente Gäste schauten bei Elly rein

Der kleine Tante-Emma-Laden ist nicht nur deshalb so berühmt, weil die Besitzerin eine solch herzensgute Dame ist. Auch die prominenten Gäste, die hier bisweilen rein schauen, haben zur Popularität beigetragen. Herbert Grönemeyer hat hier Bonbons gekauft, Armin Rohde adelte Elly mit einer Urkunde („Du bist die Rakete vom Ehrenfeld“). Doch über niemanden spricht sie mit größerer Zuneigung als über Matthias Hartmann. Den Bochumer Ex-Intendanten hat sie tief in ihr Herz geschlossen. „Er hat mich zu seiner 50. Geburtstagsfeier Ende Juni in ein Landhaus bei Salzburg eingeladen“, verrät sie. „Ich frag mich bloß: Wie soll ich ganz allein da hin kommen?“

Elly wünscht sich einen italienischen Feinkostladen

Bis Ende des Jahres will Elly ihr Lädchen verkauft haben. Was dort hinein kommt? Elly glaubt kaum, dass es erneut ein Lebensmittelgeschäft werden wird. „Sowas bindet sich heute keiner mehr ans Bein“, meint sie. Ihr Wunsch wäre, dass jemand hier einen italienischen Feinkostladen eröffnet: „Richtig schön mit Weinprobe.“ Doch es habe auch schon die Anfrage eines Computerhändlers gegeben. „Eigentlich kann es mir ja egal sein“, meint sie und verzieht ein wenig die Mundwinkel.

Immerhin: Wenn Elly geht, dann mit einem Paukenschlag. „Es wird ein großes Abschiedsfest geben“, verspricht sie. Und danach? „Vielleicht lege ich mir zu Hause einen Gemüsegarten an.“