Mutter von hochbegabtem Jungen wehrt sich gegen Jugendamt

Dina Biernath vor dem Amtsgericht. In der Hand die Strafanzeigen, die sie auf den Weg gebracht hat.
Dina Biernath vor dem Amtsgericht. In der Hand die Strafanzeigen, die sie auf den Weg gebracht hat.
Foto: Dietmar Wäsche / WAZ Fotopool
Dina Biernath, Mama eines hochbegabten Sohnes, wird Kindeswohlgefährdung vorgeworfen. Vor dem Familiengericht hat sie gewonnen. Und jetzt schlägt sie zurück: mit Strafanzeigen wegen Verleumdung. Denn wie es zu dem Vorwurf kam, kann sie nicht nachvollziehen.

Bochum.. Vielleicht erinnern Sie sich: Vor ein paar Monaten berichteten wir über Dina Biernath und ihren Sohn Jamie (5), den pfiffigen Knirps, der schon mit vier Jahren in die zweite Klasse ging. Und über Probleme, die seine Hochbegabung im Alltag mit sich bringt. Seit ein paar Wochen hat Dina Biernath noch eine Sorge mehr: Ihr wird Kindeswohlgefährdung vorgeworfen.

Nachdem sie sich weigerte, dem Jugendamt die Tür zu öffnen und auch einer weiteren Einladung fern blieb, ging die Sache vors Familiengericht. Mit dem Antrag, die Mutter zur Kooperation zu ermahnen. Für die Verwaltung ging der Schuss allerdings nach hinten los. Auch deshalb, weil in dem Antrag verschwiegen wurde, dass Jamie hochbegabt ist und bei ihm jüngst auch noch Asperger-Autismus diagnostiziert wurde.

Fazit: Keine Ermahnung. Dafür gab Richterin Formann dem Jugendamt mit auf den Weg, zu prüfen, ob die von Jamies Mutter beantragte Schulbetreuung von dort unterstützt werden könnte.

Keine Erklärung für den Vorwurf

In dieser Hinsicht tut sich was. „Gestern waren Mitarbeiter des Jugendamtes in Jamies Klasse und haben sich ein Bild von der Situation gemacht“, freut sich Dina Biernath. Gleichzeitig hofft sie aber auch auf Hochbegabtenförderung und die Übernahme der Kosten für Autismustherapie.

Der Fall – Vorwurf der Kindeswohlgefährdung – ist für sie damit aber nicht erledigt. Sie schlägt jetzt zurück: Mit Strafanzeigen und Dienstaufsichtsbeschwerden wegen Verleumdung. Gegen Mitarbeiter des Jugendamtes und Lehrer von Jamies ehemaliger Schule. Von dort kam nämlich der Hinweis.

Runder Tisch mit Jugendamt und Experten gewünscht

Warum, kann sie sich nicht erklären. „Fünf Jahre gab es keine Beschwerden – und jetzt plötzlich?“ Und noch mehr, dass keiner nach ihrem zweiten Sohn Noel (fast 2) fragt: „Ich verprügel den Großen, aber dem Kleinen geht’s gut?“ Die 31-Jährige führt die Meldung ans Jugendamt auf Dissonanzen mit der Schulleitung zurück, in deren Folge Jamie letztlich auch die Schule wechselte. Die Rektorin war zu keiner Stellungnahme bereit und verwies an die Bezirksregierung Arnsberg. Dort bestätigte Pressesprecher Christoph Söbbeler den Eingang von Dienst- und Fachaufsichtsbeschwerden, denen man nun nachgehe. Auch die Verwaltung der Stadt, so Sprecher Thomas Sprenger, könne sich wegen des schwebenden Verfahrens zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern.

Jamie geht es übrigens gut. Er fühlt sich wohl an seiner neuen Schule. Damit auch andere Kinder wie Jamie (IQ 141) künftig optimal betreut werden, plädiert Dina Biernath für einen Runden Tisch, an dem das Jugendamt und Experten wie z.B. Dr. Birgit Oschmann vom Hochbegabten-Institut sitzen, um für Aufklärung zu sorgen. Daran, so Dina Biernath, mangele es in Bochum enorm.

 
 

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