Musik im Dienst der Völkerverständigung

Jürgen Boebers-Süßmann
Noam Sheriff  (li.) und Steven Sloane.
Noam Sheriff (li.) und Steven Sloane.
Foto: FUNKE Foto Services
Bochumer Symphoniker schlagen mit dem Projekt „Annäherungen“ eine Bogen zwischen Israel und Deutschland. Komponist Noam Sheriff wird zum 80. geehrt.

Bochum. Sie sind musikalische Partner, aber sie sind auch gute Freunde: Generalmusikdirektor Steven Sloane und der israelische Komponist Noam Sheriff kennen sich seit über 30 Jahren; einst war Sheriff so etwas wie ein Mentor für den jungen US-Amerikaner Sloane, als der in den 1980er Jahren in Israel seine musikalische Laufbahn begann. Nun, im Jahr von Noam Sheriffs 80. Geburtstag, arbeiten beide wieder zusammen. In Bochum, in einem ganz besonderen Projekt.

„Annäherungen“ ist der Titel eines musikalisch-diskursiven Gesamtpakets, das aus Anlass der 50. Wiederkehr der Aufnahme von diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland geschnürt wurde. „50 Jahre – dieses Jubiläum darf man mit Recht als ein kleines Wunder bezeichnen“, sagt Sloane. Gerade der Austausch zwischen den Künstlern sei es gewesen, der die Annäherung beider Völker voran gebracht habe.

Einst Austauschstudent

Noam Sheriff, vielfach ausgezeichnet und weltweit geehrt, ist dafür ein lebendes Beispiel. Der Komponist gehörte zu Beginn seiner Karriere zu den ersten israelischen Austauschstudenten, die über den DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) nach Deutschland kamen. Er hat in Berlin studiert und später an der Musikhochschule Köln gelehrt, seine Werke werden regelmäßig in Deutschland und Europa aufgeführt. „Seit meiner Kindheit habe ich zu der deutsch-österreichischen Musiktradition eine besondere Beziehung“, sagt der 1935 geborene Sheriff, und nennt Mahler und Schönberg als Bezugsgrößen.

Zu seinem 80. Geburtstag präsentieren die Bosy Sheriffs Arbeit mit zwei Konzerten am Donnerstag und Freitag (8./.9.10.) jeweils um 20 Uhr im Audimax der Ruhr-Uni. Es erklingen das Adagio aus Mahlers 10. Sinfonie sowie Sheriffs „Mechaye Hametim“, eine 1985 komponierte Sinfonie für Kantor, Bariton, Männerchor, Knabenchor und Orchester. Darüber hinaus wird ein Blick auf Noam Sheriffs kammermusikalisches Schaffen gewährt. Am Sonntag (11.10.) intoniert das Bermuda 4-Ensemble neben Brahms Quartett Nr. 3 B-Dur op. 67 auch Noam Sheriffs Streichquartett Nr. 3 (19 Uhr, Kunstmuseum, Kortumstr. 147).

Schließlich greift der Jubilar selbst zum Taktstock und dirigiert die Bochumer Symphoniker am Dienstag (13.10.) in der Christuskirche (Nähe Rathaus, 20 Uhr). Geboten werden mit Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“, Boris Blachers „Chiara-Ballett in einem Akt von Paul Strecker“ und Mendelssohn Bartholdys „Reformationssinfonie“ Nr. 5 D-Dur drei Lieblingsstücke von Noam Sheriff.