Mülheimer bei Massendemo gegen Steiger-Award für Erdogan schwer verletzt

Michael Weeke
Jürgen Hans Grimm, fotografiert am Montag, 19. März 2012 in der Redaktion der WAZ Bochum, berichtet, bei der Protestkundgebung gegen den Besuch der türkischen Ministerpräsidenten Erdogan am Samstag von Anhängern der PKK verprügelt worden zu sein. Grimm hat ein Platzwunde auf der Nase.
Jürgen Hans Grimm, fotografiert am Montag, 19. März 2012 in der Redaktion der WAZ Bochum, berichtet, bei der Protestkundgebung gegen den Besuch der türkischen Ministerpräsidenten Erdogan am Samstag von Anhängern der PKK verprügelt worden zu sein. Grimm hat ein Platzwunde auf der Nase.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Am Rande der Massendemonstrationen gegen die Übergabe des Steiger-Awards an den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan kam es offenbar zu einem gravierenden Vorfall . Ein 48-jähriger Student der Ruhr-Universität soll von etwa 30 unbekannten Männern angegriffen worden sein.

Bochum. Zu einem offenbar doch gravierendem Vorfall kam es am Rande der Massendemonstrationen gegen die Übergabe des Steiger-Awards an den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan. Dieser hatte, wie berichtet zwar kurzfristig abgesagt, trotzdem reisten über 22.000 Demonstranten an, darunter auch über 1000 Kurden.

Der 48-jährige Student der Geschichtswissenschaft an der Ruhr-Universität, Jürgen Hans Grimm, beschäftigt sich mit der Geschichte der Armenier und wollte sich während der Demonstration ein Bild machen und Kontakte aufbauen. „Zuerst ging ich zum Dr.-Ruer-Platz zu Pro-Israel-Demo, später zu der Armenischen Demonstration auf dem Husemannplatz“, berichtet er.

In kurdische Demonstration geraten

Anhand eines Stadtplan beschreibt er, wie er gegen 17 Uhr zur U-Bahnhaltestelle Rathaus gehen wollte, um später noch zur Demonstration der Aleviten am Bergbaumuseum zu gelangen. „Ich merkte erst zu spät, dass ich in die kurdische Demonstration geraten war. Da ich mit PKK-Leuten nichts zu tun habe, wollte ich mit vom Bereich des Rathauses entfernen.“

Plötzlich habe er sich einer Gruppe von rund 30 ihm unbekannten Männern gegenübergesehen. „Die haben sofort auf mich eingeschlagen. Ich hatte Angst. Die wollten mich töten und haben immer Jude, Jude gerufen.“ Mühsam habe er sich geschützt und wurde später von Polizisten weggeführt, auch ein Krankenwagen sei gekommen.

Sofort Anzeige erstattet

„Ich habe sofort Anzeige erstattet“, sagt Grimm. Zunächst wurde er im Elisabeth-Krankenhaus behandelt. Die Ärzte diagnostizieren eine blutende Platzwunde im Bereich des Nasenrückens. Da Grimm über starke Kopfschmerzen klagte und eine Amnesie oder innere Verletzungen wegen der Kopfverletzung nicht ausgeschlossen werden konnten, übernahm die Universitätsklinik St.-Josef-Hospital den Patienten zur weiteren Untersuchung. Am Montagvormittag wurde er wieder entlassen,

Der Polizei ist der Vorfall bekannt. „Uns liegen jedoch noch keine Einzelheiten vor“, so Polizei-Sprecher Axel Pütter. Er bestätigt jedoch, dass eine Anzeige wegen Körperverletzung eingegangen sei. Jetzt würden zunächst Zeugen angehört, um sich ein genaues Bild vom Ablauf des Vorfalles zu machen.