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Schwurgericht

Mordprozess - „Er zeigte mir, dass er das Gesetz sei“

01.06.2012 | 18:37 Uhr
Mordprozess - „Er zeigte mir, dass er das Gesetz sei“
Die Leiche der erstochenen Frau wurde nach dem Verbrechen zur Gerichtsmedizin gebracht.Foto: Karsten John

Bochum.   Im Prozess gegen einen 50-jährigen Bochumer, der seine Ehefrau erstochen haben soll, sagte jetzt seine vorherige Ehefrau aus. Sie zeichnete kein gutes Bild von ihm: „Er zeigte mir immer, dass er das Gesetz sei. Meine Meinung zählte nicht.“

„Er zeigte mir immer, dass er das Gesetz sei. Meine Meinung zählte nicht.“

Das sagte am Freitag die Ex-Ehefrau (51) eines Angeklagten (50), dem wegen Mordes lebenslange Haft droht. Er gibt zu, seine zweite Ehefrau (49) am 12. Oktober zu Hause in Eppendorf mit vernichtender Brutalität erstochen zu haben. Mit 2,85 Promille Alkohol im Blut hatte er laut Anklage ein Küchenmesser neunmal in ihrem Körper gerammt. Einer hatte ihn sogar durchbohrt. Mutmaßliches Tatmotiv: Die Frau hatte sich von ihm trennen wollen.

Was seine erste Ehefrau dem Schwurgericht berichtete, hat erschreckende Parallelen auch zu seiner zweiten Ehe. Kennengelernt hatte sie den Elektriker als, wie sagte, liebenswürdigen, sehr arbeitsamen und anständigen Mann. Doch später ging es rapide bergab mit dem Eheglück. Als sie sich von ihm trennen wollte, soll er eine grausame Drohung ausgesprochen haben. Von einem wie ihm (er nannte Vor- und Nachnamen) „trennt man sich nicht!“, zitierte ihn die Zeugin. Und wenn doch: „Er würde mich durchs Fenster schmeißen, mir die Kehle durchschneiden und mit einem Beil den Kopf spalten.“ Sie habe dies damals aber nicht geglaubt.

„Ich wollte nur noch weg“

Eine weitere Parallele: Auch sie war aus dem Schlafzimmer ausgezogen und nächtigte auf einer Matratze in einem anderen Zimmer. „Ich wollte nur noch weg.“ Ebenfalls auf einer Matratze war ihre eheliche Nachfolgerin erstochen worden. Laut Anklage schlief sie, als der Mann den ersten Stich setzte.

Auch sonst berichtete die Verkäuferin hässliche Dinge über ihren Ex-Mann. Er sei „sehr dominant“ gewesen, habe „einen sarkastischen Humor“ gehabt und auf Kosten anderer gerne Witze gemacht. Einmal habe er ihr ein Milchglas ins Gesicht geschüttet, weil sie seiner Ansicht nach nicht passend gekleidet gewesen sei und nicht ihre Nägel lackiert habe. „Erniedrigung“ sei dies, „Machtausüben“. Einmal habe er sie „ausgesperrt aus dem Schlafzimmer“, nur weil sie keine Dessous getragen habe.

„Ich hatte Angst, dass ich noch ein paar Klätsche hinterherbekomme“

Und dann der viele Alkohol. „Oh, oh“, antwortete sie, als Richter Hans-Joachim Mankel danach fragte. „Jähzornig“ sei er dann gewesen. Dann durfte ich nichts Falsches sagen, nicht den falschen Blick auflegen. Dann ist auch die Hand ausgerutscht und und und.“ Einmal habe er sie, als sie am Boden gelegen habe, sogar getreten. Ein andermal habe er einen Topf mit weißen Bohnen bis ins Wohnzimmer geworfen. Sie habe geweint und alles sauber gemacht, aber sich nicht beschwert. „Ich hatte Angst, dass ich noch ein paar Klätsche hinterherbekomme.“

Mindestens 20 Jahre ist das alles jetzt schon her. Danach hatte sie den Mann verlassen. Anfangs habe sie ihn geliebt, sagte sie, ihn auch geheiratet, nachdem er bereits ein paar Mal ausgerastet sei. Ihre Erklärung: „Liebe macht blind. Für mich traf das zu.“

Zwischendurch habe sie Hoffnungen gehabt, die Ehe zu retten, dann aber erkannt: „Der ändert sich nicht. Der wird sich nie ändern.“

Bernd Kiesewetter


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