Bochum

Nach Mord an Susanna: Sind Flüchtlinge ein Sicherheitsproblem? Das sagt ein Bochumer Kriminologe

Der Bochumer Kriminologe Thomas Feltes.
Der Bochumer Kriminologe Thomas Feltes.
Foto: imago

Bochum. Ein abscheuliches Verbrechen: Ali B., ein 20-jähriger Flüchtling aus dem Nordirak, soll Susanna (14) aus Mainz überfallen haben. Anschließend soll er sie auf einen Acker verschleppt, vergewaltigt und danach ermordet haben.

Am Sonntag gestand Ali B. das Verbrechen. Derzeit sitzt er in Frankfurt-Preungesheim in Untersuchungshaft. Die Tat hat die Diskussionen rund um die Flüchtlingswelle neu hochgekocht.

Hätte der Mord verhindert werden können? Bedeuten mehr Flüchtlinge gleichzeitig mehr Verbrechen? Und sind Flüchtlinge ein generelles Sicherheitsproblem?

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Im Interview mit „hr Info“ erklärt der Bochumer Kriminologe Professor Thomas Feltes den Zusammenhang zwischen Flüchtlingen und Sicherheitsproblemen.

Feltes stellt klar: „Es ist banal, dass mehr Menschen mehr Kriminalität bedeuten. Deswegen ist es natürlich so: Mehr Menschen, mehr Flüchtlinge, bedeutet mehr Kriminalität.“

Jung und männlich sind wichtige Faktoren

Dies sei noch einmal besonders bedeutend, wenn man bedenke, dass 'jung' und 'männlich' die beiden Faktoren seien, von denen man wisse, dass sie eine große Rolle bei der Frage spielen würden, wer denn kriminell werde (Laut dem Bundesamt für Migration sind zwei von drei Geflüchteten männlich, Anm. d. Red.).

Perspektivlosigkeit

Des Weiteren sei Perspektivlosigkeit ein wichtiger Faktor bei kriminellen Karrieren, so der Kriminologe. „Wir stellen bei vielen jungen Flüchtlingen fest, deren Status oder Perspektive unsicher ist, dass sie nicht mehr wissen, wie es weitergehen soll. Sie können nicht mehr in ihre Heimat zurück, weil das auch mit einem erheblichen Gesichtsverlust dort verbunden wäre, wenn es überhaupt möglich wäre aufgrund der kriegsbedingten Situation.“

Dann käme irgendwann ein Punkt, so Feltes, an dem die Menschen das Gefühl hätten, dass es egal sei, ob man sich noch an Normen und Vorschriften halte. Dann würde es schon genügen, zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort zu sein, um auf die schiefe Bahn zu geraten.

Eine These, die auch der Leiter des Instituts für Kriminologie an der Uni Köln, Professor Frank Neubacher, unterstützt: „Perspektivlosigkeit ist immer ein Problem, auch bei Einheimischen. Denn sie verhindert, dass Bindungen an die Gesellschaft entstehen, sie fördert Entfremdung und das Gefühl, dass 'man nichts zu verlieren' hat.“

98 Prozent der Flüchtlinge sind unauffällig

Professor Feltes warnt aber davor, alle Flüchtlinge als kriminell abzustempeln. Über 98 Prozent seien unauffällig. „Wir müssen diesen Fall jetzt genauso behandeln, wie andere Fälle, bei denen der Täter oder Tatverdächtige ein Deutscher ist.“ (göt)

 
 

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