„Monitor“-Vorwürfe - Bochumer Life Jugendhilfe wehrt sich

„Wir pflegen keine Geschäftsbeziehungen zum Jugendamt Gelsenkirchen“, sagt Gerd Lichtenberger, Gründer und Geschäftsführer der Life Jugendhilfe.
„Wir pflegen keine Geschäftsbeziehungen zum Jugendamt Gelsenkirchen“, sagt Gerd Lichtenberger, Gründer und Geschäftsführer der Life Jugendhilfe.
Foto: privat
Bochumer Organisation wird in einem Fernsehbeitrag vorgeworfen, Jugendliche im Ausland in nicht angemessenen Einrichtungen unterzubringen.

Bochum.. Die Bochumer Life Jugendhilfe GmbH wird sich zu Vorwürfen, hilfebedürftige Kinder würden im Ausland in nicht angemessenen Einrichtungen untergebracht werden, ausführlich äußern. Gründer und Geschäftsführer Gerd Lichtenberger wird auf Wunsch der SPD-Ratsfraktion, der er angehört, am Montag in der Fraktionssitzung Stellung zu dem Thema nehmen, wie er gegenüber der WAZ erklärte. Außerdem kündigte er eine Presseerklärung an.

In einem Beitrag der ARD-Sendung Monitor war der Fall eines Jungen geschildert worden, den das Jugendamt Dorsten auf Vermittlung von Life in Ungarn untergebracht hatte – auf einem Bauernhof bei einem Handwerker ohne pädagogische Erfahrung, so Monitor. 7000 Euro erhalte die Bochumer Organisation dafür, 800 würden an die von Lichtenbergers Tochter geleitete Schule für den wöchentlich vierstündigen Unterricht via Internet erhalten.

Geschäftliche Kontakte zum Jugendamt Gelsenkirchen dementiert

Detailliert äußern wollte sich der 63-Jährige am Sonntag am Telefon nicht zu dem Fall, sondern erst am Montag in einem Interview. Allerdings sagte er, die im betreffenden Monitor-Beitrag gezeigten Bilder zeigten nicht den Lebensraum des Jungen, sondern einen Bauernhof in der Nachbarschaft, der abgerissen werden soll.

Dementiert hat er derweil geschäftliche Kontakte zum Jugendamt Gelsenkirchen, über das Monitor in einem weiteren Fall berichtet hatte. Der Jugendamtseiter und dessen Stellvertreter wurden mittlerweile von ihren Aufgaben freigestellt. Lichtenberger: „Wir pflegen keine Geschäftsbeziehungen zum Jugendamt Gelsenkirchen und haben dies auch nie getan.“

Offiziell Stellung genommen hat derweil die Stadt Dorsten auf ihrer Internet-Seite. Dort heißt es: „Mit dem in diesem Fall genannten Träger arbeitet die Stadt Dorsten seit vielen Jahren auch bei Inlandsmaßnahmen zusammen – bisher ohne Anzeichen dafür, dass es seitens des Trägers beachtenswerte Mängel gibt.“

Die Life Jugendhilfe hatte Ende 2013, als sie ihren 20. Geburtstag feierte, 442 Projekte im Inland und etwa 250 Auslandsmaßnahmen durchgeführt. „Wir arbeiten mit 80 Jugendämter in ganz Deutschland zusammen“, so Gerd Lichtenberger. „Wir werden angefragt, wenn das klassische Repertoire der Betreuung ausgereizt ist.“

Stadt überprüft Vermittlungsfälle

„Auch zur Stadt Bochum gibt es Geschäftsbeziehungen“, sagt Stadt-Sprecher Thomas Sprenger. In einigen Fällen gehe es dabei auch um eine Auslandsbetreuung. In den nächsten Tagen werde die Stadt alle Betreuungsfälle, nicht nur die durch Life vermittelten, überprüfen. Sie gehe allerdings derzeit nicht davon aus, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist. Nach WAZ-Informationen hat die Stadt bis 2011 bis zu 50 Jugendliche pro Jahr zu intensiven sozialpädagogischen Einzelbetreuungen geschickt, etwa zehn von ihnen ins Ausland.

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