Modellprojekt für Senioren startet in Langendreer

Foto: dapd
Mit einem Modellprojekt wollen DRK, Altenhilfe und Seniorenbeirat in Langendreer rausfinden, was Senioren sich in ihrem Viertel wünschen. Die Idee: Die Senioren stellen Angebote auf die Beine, die sie selbst interessieren - und sprechen so ihre eigene Zielgruppe selbst an.

Bochum.. Es ist kalt an diesem Morgen. Zu Viert drängen sich die Mitglieder des „Qualitätsteams“ an den kleinen Stand auf dem Marktplatz „Am Stern“, sprechen Passanten an.

Für Kathrin Engel und Hasan Kani Yilmaz vom DRK, Johanna Radandt vom Seniorenbeirat und Rita Kosthaus von der Stadt war dies der erste Aufschlag, um für das Modellprojekt „Mit Senioren für Senioren“ Bürger aus Langendreer zu gewinnen. Dort, so das Ziel, sollen Menschen ab 55 Jahren Gruppen bilden, um Bewegung in ihren Stadtteil zu bringen. Ausdrücklich gewünscht ist, ältere Migranten einzubeziehen.

Losgetreten wurde es von der Stiftung Wohlfahrtspflege und dem Land. In elf Städten wird erprobt, was für Bochum das DRK, die Altenhilfe der Stadt und der Seniorenbeirat in Langendreer umsetzen wollen. „Wir hoffen mit diesem Projekt die Strukturen zu verbessern. Vorgegeben wird nichts; alle Anregungen, alle Initiative sollen von den Bewohnern kommen“, erklärt Kathrin Engel vom DRK.

Weggang von zwei Senioreneinrichtungen

In Langendreer liegt der Anteil der Menschen über 60 Jahren bei 27 Prozent, knapp unter dem Wert für die Gesamtstadt. Die Wahl fiel auf den Stadtteil auch deshalb, weil die Strukturen wegbrechen. „Immer mehr Geschäfte geben auf, Leerstände häufen sich“, so Kathrin Engel. Sie kennt die Klagen: Es fehlen Bäcker, Gemüsehändler, ehedem ein Hort der Begegnung. Vor allem aber vermissen die Menschen Treffpunkte; niemand mag sich stundenlang im Café aufhalten.

Hinzu kommt: Gleich zwei Senioreneinrichtungen im Quartier mussten aus finanziellen Gründen schließen, im Bezirk Ost (an der Hauptstraße und in Werne), die das DRK als Stützpunkte betreute. Von insgesamt 13, die stadtweit auch Awo und Stadt anboten, wurden fünf aufgegeben.

Ziel des Langendreer Pilotprojektes, das im Laufe des Jahres mit Blick auf die demografische Entwicklung auf weitere Stadtteile ausgedehnt werden soll, ist es, Potenziale der älteren Bewohner zu wecken, mit denen sie für ihre Altersgruppe Angebote auf die Beine stellen. Nachbarn sollen dafür begeistert werden, Kontakte zu knüpfen, um gemeinsam Interessen umzusetzen. Einer der allerersten Vorschläge kam von einer Frau, die eine Gruppe gründen will, um das Umfeld am Ümminger See vom Müll zu befreien und zu pflegen. Sie fühle sich mit ihrem Stadtteil verbunden, und Sauberkeit habe mit Wohlfühlen zu tun, so die Begründung.

Ideen sind keine Grenzen gesetzt

„Es ist eine Herausforderung, von der niemand weiß, was daraus wird“, so Engel. Im Idealfall bilden sich ganz verschiedene Gruppen, die die aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben befeuern. Das könnte auch ein Treffpunkt sein, den die Leute gründen. Ein großes Budget aber beinhaltet das Projekt nicht. „Wenn die Idee lautet, ein leerstehendes Ladenlokal zum Altentreff zu machen, dann müssen sich die Initiatoren um Sponsoren bemühen.“

Grenzen werden keine gesetzt, Visionen sind erwünscht. Wenn es später in anderen Stadtteilen losgehen soll, könnten Bürger aus Langendreer als Multiplikatoren wirken. Auftaktveranstaltung zur Gruppengründung ist am 26. April im Amtshaus (14.30 Uhr). Bis dahin wird das „Quali-Team“ noch zweimal an Markttagen die Bürger informieren und zum Mitmachen animieren. „Es wird ein zäher Weg, doch wir dürfen nicht aufgeben“, sagt Johanna Radandt. Kathrin Engel ist positiv gestimmt, die Leute begeistern zu können.

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