Bochum

Mittelfinger, durchgeschnittene Kabel und Schläge aufs Autodach: So fühlt es sich an, ein Kamera-Auto von Google zu fahren

Wie fühlt es sich an, ein Kamera-Auto von Google zu fahren? Wir haben mit einem Mitarbeiter gesprochen. (Symbolbild)
Wie fühlt es sich an, ein Kamera-Auto von Google zu fahren? Wir haben mit einem Mitarbeiter gesprochen. (Symbolbild)
Foto: imago/Jens Koehler

Bochum. Aktuell sind Autos von Google im Revier unterwegs, die mit aufmontiertem Kameraturm Aufnahmen der Umgebung machen. Bei den Fahrten gehe es nicht um Street View, sondern um eine Verbesserung von Google Maps, wie Google auf Anfrage von DER WESTEN mitteilt.

Dabei stünden Straßennamen und -schilder im Fokus. Auch um Streckenführungen und Informationen über Geschäfte geht es. Pläne, das Bildmaterial zu veröffentlichen, gebe es allerdings derzeit nicht, sagt Google.

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Aber wie ist es, ein solches Auto für Google zu fahren? Wir haben mit einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter von Google gesprochen, den wir anonymisiert Stephanie L. nennen. Stephanie ist mit einem Google-Auto in Deutschland unterwegs und gibt Einblicke in den Alltag als Google-Fahrer.

Die Arbeit sei relativ simpel. „Ich fahre vorgegebene Strecken ab und die werden dann aufgezeichnet.“ Im Auto gebe es ein Tablet, auf dem man die Arbeit der Kameras verfolgen könne. „Das sieht aus wie eine Navigationsseite. Du bekommst ein Telefon, über das du einen Hotspot hast und auf dem Rücksitz hast du einen riesigen Kasten. Da wird eine Festplatte reingepackt.“

„Ich fühle mich wie eine Entdeckerin bei der Vermessung der Welt“

„Dieser Kasten sei mit Kameraturm und Tablet verbunden.“ Die unbefahrene Strecke sei auf dem Tablet anfangs noch blau markiert und werde grün, wenn man sie erfolgreich abgefahren ist. „Wenn die Festplatte voll ist, muss ich sie mit Hilfe eines Versandhandels sofort in die USA schicken und bekomme im Austausch eine leere Festplatte zurück.“

„Ich fühle mich wie eine Entdeckerin bei der Vermessung der Welt. Wie Humboldt, zum Beispiel. Wenn du weißt, wofür es gemacht wird, dann macht es schon alles Sinn. Denn im Endeffekt nutzt doch sowieso ungefähr jeder Google.

„20 Prozent zeigen dir den Mittelfinger oder machen andere Faxen“

Aber wie reagieren diejenigen, die glauben, gerade von dem Auto aufgezeichnet zu werden? Stephanie sagt, dass die Reaktionen sehr unterschiedlich seien: „40 Prozent grinsen in die Kamera, wenn du neben ihnen fährst. 40 Prozent gucken nur doof und 20 Prozent zeigen dir den Mittelfinger oder machen andere Faxen.“

„Ich habe mich schon mit Fahrern unterhalten, die in anderen europäischen Großstädten richtig Ärger hatten. Denen sind zum Beispiel Kabel durchgeschnitten worden. Oder die Leute hauen aufs Autodach. Ich hab aber noch nicht so viel Negatives erlebt.“ Sie habe auch von einem Mitarbeiter gehört, der nahe der irakischen Grenze nur mit einer Waffe unterwegs gewesen sei.

Kameraturm im Wert eines Einfamilienhauses

In der Vorbereitung für den Job sei gesagt worden, man solle einfach nur Gas geben, wenn man in Gefahr ist. „Die meinten, dass man für das Unternehmen nicht die eigene Gesundheit aufs Spiel setzen muss“, erklärt Stephanie.

Bei der Vorbereitung habe es auch ein Fahrtraining gegeben, weil der Kameraturm relativ hoch ist. Dabei sei erklärt worden, dass es schnell ein ganzes Einfamilienhaus kosten könne, wenn man den Turm abfährt. Absetzen könne man sich mit dem Auto übrigens nicht, weil es per GPS überwacht werde.

Verdienst: Ein paar Tausend Euro in wenigen Wochen

Und der Verdienst? Dazu sagt Stephanie: „Wenn ich mich schlecht ernähre, kann ich in wenigen Wochen ein paar Tausend Euro verdienen. „Und bei Regen kann man zu Hause bleiben, weil die Kameras nicht wasserfest sind. Dann bleibt man bezahlt zu Hause und muss Google nur sagen, dass es regnet. Dann prüfen die das und dann musst du nicht fahren.

Für die Unterbringung sorgt Google übrigens auf futuristische Art und Weise. „Ich habe eine App, da schreibst du nur rein, dass du zum Beispiel um 19 Uhr ein Hotelzimmer in Essen brauchst und dann wird dir sofort ein Zimmer gebucht. Das wird - glaube ich - von einem Bot erledigt. Du brauchst dich um nichts zu kümmern.“

Gerüchtehalber geht es auch um autonomes Fahren

Gerüchtehalber, so sagt Stephanie, werde mit den aktuellen Aufzeichnungen der Grundstein für autonomes Fahren gelegt (Google Driverless Car), das der Konzern in Zukunft anbieten will. Daher würden die Daten auch nicht veröffentlicht, weil Google sie größtenteils intern nutzen wolle.

DER WESTEN hat wichtige Aussagen des Zitatgebers auch an Google geschickt, um sie verifizieren zu lassen. Google wollte sich jedoch nicht detailliert äußern.

 
 

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