Mit Stanislaw Lem zurück in die Zukunft

Stanislaw Lem (1926-2006)
Stanislaw Lem (1926-2006)

Bochum.. Dem polnischen Science Fiction-Schriftsteller Stanislaw Lem ist ein interkultureller Abend des Vereins Kosmopolen im Planetarium gewidmet. Unter anderem wird aus seinen „Sternentagebüchern“ gelesen.

Anspruchsvolle Science Fiction wie Stanley Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“, aber auch die kultig-populäre „Perry Rhodan“-Reihe – so gut wie nichts, was an SciFi seit den 1950er/60er Jahren entstand, kommt am Einfluss Stanisław Lems vorbei.

IQ von 180

Tatsächlich gilt der polnische Schriftsteller (1926- 2006) mit seinem eigenwilligen utopischen Werk als einer der größten Schriftsteller in der Geschichte der SF-Literatur. Lems Kurzgeschichten, Romane und Essays zeichnen sich durch überquellende Phantasie und originelle sprachliche Neuschöpfungen aus – kein Wunder, galt der aus Galizien stammende Schriftsteller mit einem IQ von 180 doch als der intelligenteste Mensch des damaligen „Ostblocks“. Wenn Lem loslegt, dann treffen sich Gelehrte, die das ultimativ Denkbare technisch umsetzen. Oder es lässt ein Erfinder die Gehirnströme einer Frau in einem Kristall kursieren, damit sie das ewige Leben habe. Ein anderer erzeugt in metallenen Kisten ganze Gesellschaften, die miteinander leben, sich verlieben, sich streiten, auseinander gehen…

Einfallsreichtum

Bei allem Einfallsreichtum war/ist aber vor allem die Kritik an der Machbarkeit und dem Verstehen der technischen Entwicklung zentraler Bestandteil von Lems oftmals ins Philosophische lappenden Werken. Seine kuriosen, wahnwitzigen Geschichten spielen zwar in fernen Galaxien, sind jedoch der Realität des Menschlichen überraschend nahe. „Solaris“ heißt sein wohl bekanntester Roman, auch die „Robotermärchen“ waren und sind bekannt, und auch die „Sternentagebücher“ werden heute noch gerne gelesen.

Zukünftiges Selbst

Mit dem Protagonisten dieser „Sternentagebücher“, dem von Lem erfundenen Sternenreisenden Ijon Tichy, kann man am kommenden Sonntag, 10. Oktober, erleben, wie es sich zum Beispiel anfühlt, in einen Zeitstrudel zu geraten, und sein vergangenes und zukünftiges Selbst zu entdecken, seine eigene Vergangenheit zu korrigieren, um schließlich weiser (?) auf die Erde zurückzugelangen. Möglich macht das ein Abend mit dem Titel „Kosmopolen goes Fjuczer“, zu dem der polnisch-deutsche Kulturverein „Kosmopolen“ ins Planetarium, Castroper Straße 37, einlädt.

Auf Deutsch und Polnisch

Neben Texten von Stanislaw Lem in Deutsch und Polnisch gibt es ab 18 Uhr Musik und auch eine Kunst-Ausstellung. „Entspannend unter dem Sternenhimmel“ lesen Frank Wickermann und Joanna Stanecka aus den „Sternentagebüchern“. Die Interpreten Julius Berger und Magdalena Rezler spielen Kompositionen von Krzysztof Meyer, einem Meisterschüler von Penderecki. Und in der begleitenden Ausstellung sieht man Arbeiten von Krzysztof Gruse, JoJo Darski und Helga Elben mit utopischen, kosmischen und surrealen Motiven – passend zu Lems lichtjahreweitem Gedanken- und Begriffshorizont.

 
 

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