Mit geradezu schwebenden Händen dirigiert

Der österreichische Gastdirigent Martin Sieghart gestaltete und „atmete“ Musik im fünften Symphoniekonzert der BoSy. Mit großer Leidenschaft führte er den Philharmonischen Chor Bochum.

In Schuberts „Deutscher Messe“ lag Siegharts Fokus auf der Gestaltung der Chorstimme. Er formte liebevoll die Phrasierung jedes Tons und übertrug dieses Ideal des Gesangs auch auf die Gestaltung der Instrumentalstimmen. „Der Gesang ist und bleibt das Wichtigste, egal, in welcher Form man Musik betreibt“, so der gebürtige Wiener, der Professor für Orchesterdirigieren an der Universität Graz ist.

Mit schönen Vokalfärbungen und mit andächtigem Ausdruck erklangen die beschaulichen liturgischen Choräle Schuberts wie das bekannte „Heilig, heilig“. Der Philharmonische Chor wurde zuvor von Susanne Blumenthal einstudiert. Mit geradezu schwebenden Händen dirigierte Sieghart Schubert auswendig und entlockte den (Bläser-) Stimmen der Instrumentalbegleitung farbige Nuancen. Danach leitete der Gastdirigent die Symphoniker in voller Besetzung. Bruckners „Siebte“, ein Werk von über einer Stunde, ebenfalls auswendig! Das erstklassige Orchester verströmte Naturmystik, liebliche Streicher, Alpenanklänge der Hörner und Vogelmotive der Holzbläser erklangen wie eine Kontemplation der österreichischen Landschaft. Tatsächlich lag auf der gesamten Symphonie der Schleier der Entrücktheit. Ein „hörendes Hineinsinken“ in diese symphonische Kunst ist bei der Akustik im Audimax allerdings weniger leicht gemacht. Dennoch gab es großen Applaus.

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