Bochum

Mit Facebook-Kommentaren wurde sie berühmt: Stefanie Sargnagel auf der lit.Ruhr

Immer auf dem Kopf: die rote Baskenmütze. Auch in der Zeche Bochum trug die Autorin Stefanie Sargnagel ihr Markenzeichen.
Foto: Horst Ossinger

Bochum. Natürlich trägt sie die rote Baskenmütze und den zerknitterten Trenchcoat. Stefanie Sargnagel muss dem Klischee entsprechen, das sie sich selbst erschaffen hat. Nur die Kippe im Mundwinkel fehlt, als sie am Mittwoch den Auftakt zum neuen Literaturfest „lit.Ruhr“ gibt.

lit.Ruhr soll Lesebegeisterung in den Pott bringen

Sie ist eine der Newcomer, die auf dem kleinen Ableger der lit.Cologne, ihre literarischen Ergüsse zum Besten geben darf. In rund 80 Veranstaltungen sollen Nachwuchstalente sowie Altmeister noch bis zum 8. Oktober Lesebegeisterung ins Ruhrgebiet bringen.

Eigentlich müsste die schelmisch grinsende Österreicherin ja im Elfenbeinturm sitzen. Immerhin hat sie jahrelang an der Akademie der bildenden Künste in Wien studiert.

Doch sie passt viel besser zu den Schloten im schroffen Revier, als man meinen könnte. Denn das, was die 30-Jährige bekannt gemacht hat, ist mehr dreckiger Pott als schickes Vienna.

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Denn sie hat nicht durch bourgeoise Federkreationen Berühmtheit erlangt, sondern durch ihre digitalen Facebook-Posts, die sich subjektiv frei heraus um alles und jeden drehen: Von Raps über koksende Kunststudenten über Tchibo-Sex-Gedichte mit Helene Fischer bis hin zu absurden Gesprächen aus ihren Callcenter-Zeiten.

Von Hass-Raps bis Callcenter-Talks

Damit bringt sie nicht nur das Publikum in der Bochumer Zeche zum Lachen, sondern lockt auch den Moderator Christian Ankowitsch aus seiner seriösen Reserve.

„Ich mag es gerne Sachen im Internet zu schreiben. Da bekommt man direkt immer die Likes. Das Belohnungssystem wird sofort aktiviert.“

„Alle machen Psychotherapie & Yoga mit 30 - Sogar die übelsten Junkies“:

„Um die Empathie mit den Zukurzgekommenen geht es mir in den Texten.“

„Ein Paradies, wo Männer und Frauen sich frei entfalten können. Ich sehe Männer da eher so im privaten Bereich.“

„Alle hippen Leute waren in der Flüchtlingskrise engagiert und haben ein ‚Helfie‘ mit ihrem eigenen Mohamed gemacht.“

„Ich wäre gerne mal normal.“

Zwischen herrlichen Postings, Raps und Monologen, sowie Wortabschlägen mit Ankowitsch wiederholt Sargnagel einen Satz besonders oft an diesem Abend: „Ich wäre gerne mal normal.“ Doch so wirklich glauben tut es keiner. Sie erst recht nicht.

Und wer sonst sollte solch amüsante Werke wie „Binge Living: Callcenter Monologe“, „In der Zukunft sind wir alle tot. Neue Callcenter-Monologe.“, „Fitness“ oder „Statusmeldungen“ schaffen?

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