Mindestlohn für Häftlinge wäre nicht praktikabel

Häftlinge, die im Gefängnis arbeiten, sollen nach dem Mindestlohn bezahlt werden. Das fordert die „Gefangenen-Gewerkschaft/Bundesweite Organisation“ (GGBO), die in NRW rund 100 Mitglieder hat. Christoph Husemeyer sprach mit Thomas König, Leiter der JVA Bochum, über Arbeit im Gefängnis.

1 Wie viele Häftlinge arbeiten in der JVA Bochum?

Derzeit gehen rund 400 Insassen einer Beschäftigung nach und arbeiten im Schnitt 39 Stunden pro Woche. Sie werden in Bereichen wie der Druckerei, Küche oder Schlosserei eingesetzt und verdienen je nach Schwierigkeit und Wertigkeit der Arbeit neun bis 15 Euro am Tag. Außerdem können die Gefangenen Tage für eine frühere Entlassung erwirtschaften.

2 Sind die Forderungen der GGBO auch Thema unter den Häftlingen in der JVA Bochum?

Drei Gefangene haben Interesse an einer Mitgliedschaft in der GGBO gezeigt und Infomaterial bestellt. Uns ist aber nicht bekannt, ob einer der Insassen Mitglied ist.

3 Wie sinnvoll wäre die Einführung eines Mindestlohns?

Da die Produktivität eines Gefangenen grundsätzlich erheblich niedriger ist als die eines „normalen“ Arbeiters, würde der Mindestlohn wohl zur Abwanderung von Fremdfirmen und zu Auftragsverlusten für die Eigenbetriebe der JVA führen, wodurch im Endeffekt weit weniger Häftlinge überhaupt arbeiten könnten.

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