Mieter erproben neue Wohnform

Bärbel Stanger (rechts) und Connie Gockeln können den Einzugstermin in ihr neues Domizil in Kornharpen kaum erwarten.
Bärbel Stanger (rechts) und Connie Gockeln können den Einzugstermin in ihr neues Domizil in Kornharpen kaum erwarten.
Foto: Haenisch / Funke Foto Services
Am Bernsteinweg hat ein Verein ein Mehrgenerationenhaus gebaut. Alle Mieter kennen sich bereits vor dem Einzug am 1. August.

Bochum-Kornharpen. Ihre künftigen Nachbarn kennt Bärbel Stanger (67) schon bestens, obwohl sie erst am kommenden Samstag ihre neue Wohnung in Kornharpen bezieht. Der Verein „Nawobo“ (Nachbarschaftliches Wohnen in Bochum) hat am Bernsteinweg sein zweites Projekt, ein Mehrgenerationenhaus, verwirklicht. Die Schlüssel haben die Mieter bereits, Einzugstermin ist der 1. August.

Das erste Haus mit Wohnungen an der Wasserstraße in Weitmar entstand noch in Kooperation mit den Bochumer Wohnstätten. Diesmal ist VBW der Partner, der ein geeignetes Grundstück anbieten konnte. Im Frühjahr 2014 begann der Bau; die Schlüssel haben die Mieter soeben entgegen genommen. „Die Aufregung steigt jetzt doch“, sagt Bärbel Stanger, deren Freundin Connie Gockeln ebenfalls einziehen wird – die eine ins Erdgeschoss, die andere in die Wohnung darüber.

Ideen gibt’s zuhauf

21 Wohnungen – zwischen 55 und 88 Quadratmeter – entstanden am Bernsteinweg, einziehen werden Familien mit Kleinkindern, Alleinstehende, Ehepaare und Senioren. Der älteste Mieter ist 80 Jahre alt. Eine Gemeinschaftswohnung gehört zu der Anlage auf dem rund 2000 Quadratmeter großen Grundstück.

Sie dient – neben dem Garten – gemeinsamen Unternehmungen. Ideen gibt’s zuhauf. Bärbel Stanger: „Wir wollen dort Silvester und unser erstes Weihnachtsfest feiern. Einige planen, dort Fußball zu gucken, also muss noch ein Fernseher angeschafft werden. Unser Senior hat sich die Wohnung, sie ist 47 qm groß, bereits vor Monaten reservieren lassen, weil er dort im November Geburtstag feiern will.“ Es ist beschlossene Sache, dass sich alle Bewohner mindestens einmal im Monat in der Kellerwohnung, die auch eine Küche bekommt, treffen.

"Nicht länger anonym leben"

Warum immer mehr Menschen neue Wohnformen suchen, erklärt Bärbel Stanger für sich so: „Meiner Freundin geht es wie mir: Wir wollten nicht länger anonym leben, sondern in einer echten Nachbarschaft.“ Beide erfuhren vor Jahren vom ersten Nawobo-Projekt, wurden Mitglieder im Verein. Das Weitmarer Haus war vermietet, doch die Idee ist ausbaufähig, fanden die Freundinnen. „Wir schlugen dem Vorstand vor, ein zweites Mehrgenerationenhaus zu bauen, und der meinte: Dann macht mal.“

Taten sie und waren bald erfolgreich mit der Akquise künftiger Mieter, deren Altersstruktur möglichst breit gefächert sein sollte. Die Bewerber lernten einander kennen, machten Ausflüge, gingen essen und grillen, bis heute. „Jetzt kann ich sagen: Wir verstehen uns alle prima, ich habe ein gutes Gefühl für die Nachbarschaft“, sagt Stanger.

 
 

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