Menschen mit tierischen Gesten

,Die Münsteraner Künstlerin Marina Schell. Foto: Stefan Arend / WAZ Fotopool
,Die Münsteraner Künstlerin Marina Schell. Foto: Stefan Arend / WAZ Fotopool
Foto: WAZ

Bochum.  Menschliche Figuren, die tierische Körperhaltungen einnehmen. Tierskulpturen, die wie Gefangene aneinandergekettet sind - in der aktuellen Ausstellung der Galerie Januar fordern die Zeichnungen und Skulpturen der Künstlerin Marina Schell den Betrachter zum Mitdenken auf.

Hasenköpfe aus Keramik

Marina Schell (geb. 1984 in Neuwied) lebt und arbeitet in Münster, wo sie im Anschluss an ihr Lehramtsstudium seit 2006 Freie Kunst an der dortigen Kunstakademie studiert, seit 2011 in der Klasse für Performance und Feldforschung von Lili Fischer. Dort spielen neben Körperbewusstsein und Sprachreflexion die Bereiche des Alltags und der Natur eine besondere Rolle im kreativen Umgang.

Diese spezielle Setzung sieht man Schells Arbeiten sogleich an. Die jünge Künstlerin ist auf Zeichnungen und Skulpturen abonniert, beide Darstellungsformen kommen beinahe unscheinbar daher. Und doch lassen sie bei genauerer Betrachtung viel Spielraum für die Gedanken des Schauenden.

Stichwort: tierische Gesten bei Menschen. Für ihre Zeichnungen setzt Schell Bekannte in Positur und lässt sie mit Händen oder Gesten tierische Haltungen einnehmen. Da werden nach hinten gedrückten Arme mit den gespreizten Fingern zu Flügel, da wird eine vors Gesicht gehaltene Katze zu einer archaischen Maske.

So wird das Wechselspiel von menschlicher und tierischer Natur orchestriert – die mit feinstem Graphitstrich aufs Papier gebrachten Zeichnungen lassen außerhalb des Dargestellten reichlich Platz auf den leeren, weißen Blättern: gleichsam ein Leerraum für Assoziationen des Betrachtes, wenn man so will. Besonders gelungen erscheint eine Komposition, die die Figur eine jungen Frau mit einem Rotkehlchen in Beziehung setzt, wobei der farbige Brustfleck des Vogels als Brustausschnitt einen interessanten Doppelungseffekt ergibt.

Auch in ihren Kleinplastiken aus Keramik schafft Marina Schell überraschende Zusammenhänge: Ein Relief zeigt zwei Hasenköpfe mit aufgestellten Ohren, die wie Jagdtrophäen an der Wand hängen und durch einen aus den Mäulern hängenden Baumwollfaden verbunden sind. Nicht weniger irritierend: eine Bodeninstallation, die acht kleine Vogelskulpturen versammelt, die mit einem roten Faden aneinander gebunden sind.

Schells Kunst wirkt auf den ersten Blick unspektakulär, beiläufig, harmlos. Und doch wirft sie gerade in ihrer darstellerischen Zurückhaltung Fragen auf. Ohne Weiteres ist ihr nicht beizukommen.

Marina Schell - Skulpturen und Zeichnung, bis 4. Oktober in der Galerie Januar, Eislebener Straße 9 (Langendreer).
Öffnungszeiten
donnerstags 17-19 Uhr und nach Vereinbarung ( 0234/360 05 78).
Vernissage
am Freitag, 24. August, 20 Uhr. Die Künstlerin ist anwesend. Einführende Worte von Ulrich Fernkorn.

 
 

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