Massenproteste gegen Erdogan

Der türkische Ministerpräsident Erdogan (hier mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder) erhält den Steiger Award. Das sorgt für Proteste.
Der türkische Ministerpräsident Erdogan (hier mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder) erhält den Steiger Award. Das sorgt für Proteste.
Foto: REUTERS
Die Verleihung des Steiger Awards an den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan in Bochum löst Massenproteste aus. Allein die Alevitische Gemeinde kündigt für Samstag 20 .000 Demonstranten an.

Bochum. Als „Würdigung für 50 Jahre deutsch-türkische Freundschaft“ versteht Sascha Hellen die Vergabe seiner Revier-Trophäe an Recep Erdogan. Nunmehr fegt ein Sturm der Entrüstung über den Medienberater hinweg. Der Zentralrat der Armenier, kurdische Migrantengruppen, ein „Bündnis gegen Antisemitismus“: Verschiedenste Verbände und Initiativen rufen bundesweit zum „machtvollen Widerstand“ auf.

„Der Preis soll für Toleranz, Menschlichkeit und das Zusammenwachsen Europas stehen. Erdogan steht für genau das Gegenteil“, heißt es so oder ähnlich in allen Erklärungen. Die Aleviten sprechen vom „Schlag ins Gesicht aller Minderheiten in der Türkei, die täglich staatlich organisierter Intoleranz und Unmenschlichkeit ausgesetzt sind“.

„Mindestens 20.000 Demonstranten“ erwartet Ali Dogan, Generalsekretär der Alevitischen Gemeinde, am Samstag in Bochum. 300 Reisebusse seien gebucht. „Bereits jetzt ist absehbar: Erdogan wird dieser Award nicht verliehen“, schreibt der in Köln beheimatete Verein in einer Presseerklärung – Worte, die durchaus als Drohung verstanden werden können.

Straßenverkehr wird beeinträchtigt

Die Polizei ist alarmiert. Bis Donnerstagabend war nicht endgültig sicher, wo und wann die verschiedenen angemeldeten Kundgebungen stattfinden. Letzter Stand: Die Aleviten werden ab 14 Uhr im Stadion an der Castroper Straße demonstrieren. Die Armenier (mit 500 wird gerechnet) sollen sich um 15 Uhr auf dem Husemannplatz versammeln. Pro-israelische Gruppen hissen ab 16 Uhr auf dem Dr. Ruer-Platz die Fahnen gegen Erdogan, auch gegen den Schriftsteller und Palästinenser-Aktivisten Henning Mankell. 2000 Kurden planen gleichfalls am Nachmittag einen Protestmarsch durch die City.

[kein Linktext vorhanden]„Es wird zu erheblichen Beeinträchtigungen des Straßenverkehrs kommen, insbesondere in den Bereichen der Innenstadt bis zur Jahrhunderthalle sowie der Castroper Straße“, warnt die Polizei und empfiehlt allen Autofahrern, ab Samstagmittag den Innenstadtbereich soweit wie möglich zu meiden bzw. zu umfahren. Am Samstag ab 9 Uhr ist unter 0234/909 44 44 ein Bürgertelefon geschaltet.

Die Gäste schweigen zum Protest

Die Jahrhunderthalle, in der die Steiger Awards ab 19 Uhr verliehen werden, wird weiträumig abgesperrt. Ab 14 Uhr passiert die Bogestra-Linie 302 die Haltestellen Jacob-Mayer-, Wattenscheider- und Vereinsstraße ohne Halt; die Linien 310 und 345 fahren an der Jacob-Mayer- und Wattenscheider Straße durch. Fahrzeuge der Linie 360 wiederum können die Haltestelle Vereinsstraße nicht bedienen.

Während die Gegner mobil machen, herrschte bei den geladenen Steiger-Gästen am Donnerstag Schweigen. OB Scholz, die die Prominenten im Namen der Stadt in der Jahrhunderthalle begrüßt, wolle sich „nicht äußern“, hieß es im Rathaus. Auch auf eine erbetene Stellungnahme von Steven Sloane (er wird in der Kategorie „Ruhrgebiet“ geehrt) wartete die WAZ vergebens.

Derweil prangert die Soziale Liste das Sponsoring der Sparkasse und Stadtwerke für den Steiger Award an: „Das mit kommunalen Finanzen subventionierte Promischaulaufen von umstrittenen Politikern ist für viele Bürgerinnen und Bürger eine Zumutung.“

 
 

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