Massenprotest von KAB bis DKP

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Gisela P. „steht’s Oberkante Unterlippe“. Als Teilzeit-Leiharbeiterin bleiben ihr 650 Euro netto. „Ich bin arm trotz Arbeit“, setzte sich die 35-Jährige am Samstagmorgen in Lüdenscheid in den Bus. Fahrtziel: Bochum. Mission: „Umfairteilen!“

Bochum. Lüdenscheid, Bielefeld, Paderborn, Siegen, Dortmund, Essen, Gelsenkirchen, Recklinghausen: Mit Sonderbussen und Zügen reisten Teilnehmer aus weiten Teilen des Landes an. 5000 Menschen, so die übereinstimmenden Angaben der Veranstalter und der Polizei, demonstrierten in der Innenstadt. Mit dabei auch OB Ottilie Scholz. Unter dem Motto „Umfairteilen – Reichtum besteuern“ forderten sie die Einführung von Vermögens- und Finanzmarktsteuern. Zu der Aktion aufgerufen hatte ein Bündnis aus über 30 Parteien, Verbänden, Gewerkschaften und globalisierungskritischen Bewegungen.

Ulrich Schneider: Soziale Spaltung ist obszön

Die Superreichen zur Kasse bitten, um den Sozialstaat zu bewahren und der Kluft zwischen Arm und Reich zu begegnen: Mitglieder und Aktivisten unterschiedlichster Ausrichtungen finden sich unter dieser Botschaft zusammen. Der Mieterverein ebenso wie kommunistische Kampfgruppen (unter Absingen der „Internationale“). Die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) ebenso wie die Alevitische Gemeinde. Friedlich, mitunter fröhlich marschieren sie vom Bahnhof zur Bühne auf dem Boulevard. „Wenn Wenige fast alles haben, habe fast alle wenig“ oder „Riesters Rente statt Riesterrente!“ prangt auf selbst gepinselten Plakaten.

Nebenan feiern die Boulevard-Händler ihr Kuhhirten-Fest. Am Mikrofon skandiert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes: „Soziale Spaltung ist nicht nur ungerecht, sie ist obszön!“ Deutschland stehe vor einer Richtungsentscheidung. Auf Bochum und das Revier sei Verlass: „Wenn es um soziale Gerechtigkeit geht, sind die Ruhrgebietler die Ersten, die ganz vorne stehen!“

Friedliche Demonstration

Vom Boulevard geht’s weiter zur Kundgebung am Schauspielhaus. Verdi-Geschäftsführerin Gisela Müller ist hochzufrieden: „Wir sind bereit aufzustehen. Großartig, wie viele Menschen wir motivieren konnten zu demonstrieren – darunter auch viele, die sich ansonsten kaum politisch engagieren.“

So wie Gisela P. Nach der „ersten Demo meines Lebens“ fährt sie aufgewühlt und stolz zurück nach Lüdenscheid. „Wir haben uns gewehrt. Und das ist nur der Anfang.“

Die Demonstration verlief nach Angaben der Polizei „absolut friedlich“. Einziger Zwischenfall: Ein Mann mit einem Islam-feindlichen Plakat wurde des Platzes verwiesen.

Geduld mussten die Autofahrer aufbringen: Mehrere City-Straßen wurden zeitweise gesperrt. Es bildeten sich Staus.

 
 

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