Bochum

Marcel-Heße-Prozess: Warum Jadens Stiefvater Pascal R. schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhebt

Peter Sieben und Linda Schreiber
„Der ist manchmal wie so ne scheintote Hure im Garten rumgeturnt, der Vogel“, sagt Jadens Stiefvater Pascal R. über Marcel Heße.
„Der ist manchmal wie so ne scheintote Hure im Garten rumgeturnt, der Vogel“, sagt Jadens Stiefvater Pascal R. über Marcel Heße.
Foto: dpa

Bochum. Saal C240 im Landgericht Bochum. Es ist der sechste Verhandlungstag im Fall Marcel Heße. Jadens Stiefvater Pascal R. wird in den Zeugenstand gerufen. Er betritt den Saal und fläzt sich in den Stuhl. Zuerst antwortet er einsilbig. „Nä“, sagt er, und: „Ja“.

Mit Heße habe er vorher kaum Kontakt gehabt: „Der ist manchmal wie so ne scheintote Hure im Garten rumgeturnt, der Vogel.“

Dann fängt Pascal R. an, über die Nacht zu sprechen, in der er seinen Stiefsohn Jaden tot im Keller von Marcel Heße gefunden hat.

-------------------------------------

• Mehr zum Fall Marcel Heße:

Marcel-Heße-Prozess: „Als habe man ein Tier geschlachtet“ - so erlebte Jadens Bruder die traumatische Mordnacht in Herne

Warum wir immer mehr über Marcel Heße erfahren - und er dennoch ein Rätsel bleibt

Heße-Prozess: „Jaden kämpfte verzweifelt um sein Leben“ - Grausige Details zum Doppelmord von Herne

-------------------------------------

„Es kam immer nur neues Blut, wenn ich gedrückt habe“

„Ich habe die Leiche hinter so einer Scheißpappwand im Keller gefunden“, sagt er. Sofort habe er versucht, Jaden zu reanimieren. Erfolglos. Marcel Heße hatte so oft auf sein Opfer eingestochen, dass das Kind längst tot war. „Es kam immer nur neues Blut, wenn ich gedrückt habe.“

Als sein Sohn Maurice in den Keller kam, habe sich der Vater so gedreht, dass der die Leiche nicht sehen muss. „Aber er hat sie dann doch gesehen.“ Eine traumatische Erfahrung für den Jungen.

Pascal R. bestätigt, was auch Maurice und Polizisten schon vorher ausgesagt haben: Nämlich, dass Jadens Hose und Unterhose heruntergelassen waren. „Ich hab die Unterhose wieder etwas hochgezogen.“, so R.

„Jenny lag auf den Knien und weinte.“

Als seine Frau Jeanette verstanden habe, was passiert war, sei sie zusammengebrochen: „Jenny lag auf den Knien und weinte.“

Polizei sei zu langsam gewesen

Pascal R. erhebt an diesem Mittwoch auch viele Vorwürfe gegen die Polizei: Nachdem sein Stiefsohn Maurice und seine Frau die Polizei gerufen hatten, „kam so ein komischer Streifenwagen. Waren die auf Butterfahrt oder was? Die beiden Polizisten wollten erst nicht runter in den Keller. Da musste ich nachhelfen.“

Dann wurde die Situation noch brenzliger: Marcel Heßes Eltern trafen ein. oder, wie Pascal R. es ausdrückt: „Dann kamen die Eltern von diesem Ding“, sagt er und blickt zu Heße.

Polizisten wandten Gewalt an

Heßes Mutter soll gerufen haben „Scheiße, der hat einen von denen umgebracht!“

Daraufhin gingen Maurice und sein Bruder auf die Mutter los. Polizisten gingen dazwischen. Einer der Beamten habe auch seine Frau Jeanette geschlagen und ihr den Finger gebrochen. „Da hat sich der Polizist auch eine eingefangen“, so Pascal R.

„Der Polizist hat mir dann ne Ladung Pfefferspray ins Gesicht gesprüht. Vielleicht wollte der die Flasche mal ausprobieren, oder so.“