Bochum

Marcel-Heße-Prozess: „Solche Psychopathen denken eh, sie wären King“ – Heßes verstörender Facebook-Chat mit Schulfreund Nils

Marcel Heße (Mitte) vor dem Landgericht Bochum. Rechts sein Pflichtverteidiger Michael Emde.
Marcel Heße (Mitte) vor dem Landgericht Bochum. Rechts sein Pflichtverteidiger Michael Emde.
Foto: dpa
  • Schulfreund von Marcel Heße sagt vor dem Landgericht Bochum aus
  • Er schrieb Christopher W. an, nachdem er von dem Mord an Jaden hörte
  • Er bekam Antworten - obwohl Christopher schon tot war

Bochum. Dienstag, 7. März, 8.45 Uhr: Doppelmörder Marcel Heße sitzt neben dem toten Christopher W. (22) in dessen Wohnung an der Sedanstraße in Herne. Überall ist Blut. Erst vor wenigen Minuten hat Heße den Freund mit 68 Messerstichen bestialisch ermordet.

Christophers Handy zeigt eine Nachricht an. Heße öffnet den Facebook-Messenger. Er hat vollen Zugang zu allen Nachrichten-Diensten auf dem Smartphone, denn kurz zuvor hat er noch die Handy-PIN aus Christopher herausgepresst.

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„Hast das mit Matze gehört?“, fragt Nils D. (19), ein gemeinsamer Freund von Christopher und Heße. Matze, das ist er, Marcel.

Nils meint den Mord an Jaden (9), von dem er kurz zuvor erfahren hatte.

„Ja, total krank“, antwortet Heße im Namen des toten Freundes.

Marcel Heße schreibt mit mehreren Freunden im Namen des toten Christoper

Diese Masche zieht er bei Schulfreund Nils genauso durch wie bei Manuel G. aus Bochum-Langendreer. Der 30-Jährige war ein Freund von Christopher. Auch er schrieb Christopher wegen Marcel an, auch ihm antwortete Heße von Christophers Account aus.

Nils D. war ein Schulfreund von Marcel Heße

Das Gespräch mit Nils D. zieht sich über den ganzen Tag. Heße und er kennen sich aus der Schule. In der 9. Klasse der Hauptschule hat sich Nils mit Marcel angefreundet, „weil er neu in der Klasse war und ich weiß, wie man sich dann erst mal als Außenseiter fühlt“, sagt D. als Zeuge vor dem Landgericht Bochum. Hier werden die Textnachrichten am Donnerstag vorgelesen.

Heße, Nils und Christopher waren Freunde

Heße machte Nils und Christopher miteinander bekannt. Gemeinsam spielten sie das Kartenspiel „Yu-Gi-Oh!“.

An dem verhängnisvollen Dienstag im März schreibt Nils weiter: „Ich weiß, wo er ist, Digga, ich schnapp den nachher!“

Ob Marcel Heße in diesem Moment Panik bekommen hat? Schriftlich bleibt er cool, fragt: „LOL, wie denn?“

Nils glaubt, Heße sei vor seinem Haus

„Ich seh den immer in der Nähe von meinem Haus“, so die - für Heße - beruhigende Antwort. Denn das kann nicht sein, sitzt er doch versteckt in Christophers Wohnung.

Auch Nils' Ankündigung, er habe die Polizei schon informiert, lässt ihn daher vermutlich kalt. Jetzt dreht er auf: „Pack ihn dir, der wiegt die Hälfte von dir!“, ermuntert er Nils auch noch in seiner Absicht, den Kindmörder selber zu suchen.

„Solche Psychopathen denken eh, sie wären King!“

Richter: Hätte Christopher so etwas geschrieben?

An dieser Stelle unterbricht der Richter, fragt Nils D., ob ihm diese Antworten nicht komisch vorgekommen seien. Hätte Christopher so etwas geschrieben? „Ja, das hätte schon sein können, ich habe mich nicht gewundert“, antwortet der 19-Jährige.

Marcel Heße antwortet ausweichend

Etwas seltsam sei gewesen, dass Christophers Nachrichten danach ausweichend wurden: Als Nils ihn nämlich fragt, ob er mitkommen wolle, um gemeinsam nach Heße zu suchen, antwortet Heße selbst: „Ne, ich bekomme schon Besuch.“

In späteren Nachrichten heißt es dann, er sei krank und eine Kollegin würde für ihn einkaufen.

Nils gibt sich damit zufrieden.

Noch am Freitag darauf schreibt Nils Christopher an

Weiter verfolgt er die Berichte in den Medien offenbar nicht. Am Freitag, 10. März, Heße ist festgenommen und Christophers Wohnung abgebrannt, schreibt er den toten Christopher noch zweimal an:

„Gibt's dich noch?“

...

„Chris?“

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