Bochum

Mann (33) soll Freundin mehrfach attackiert und mit dem Tode bedroht haben - vor Gericht nimmt sie ihn trotzdem in Schutz

Foto: dpa/Archivbild

Bochum. Am Landgericht Bochum wird aktuell ein Fall verhandelt, bei dem Leiharbeiter Daniel S. (33) aus Recklinghausen angeklagt ist, im August vergangenen Jahres seine damalige Freundin misshandelt zu haben. Laut Aussage der Lebensgefährtin soll es zwischen 23. und 25. August in der gemeinsamen Wohnung mehrfach zu hässlichen Szenen gekommen sein.

Auslöser des Streits am 23. August soll laute Musik gewesen sein, die Daniel S. beim Kochen gehört habe. Als die dreifache Mutter von ihm forderte die Musik leiser zu machen, damit die kleine Tochter schlafen könne, habe er seine Freundin angeschrien und als Hurentochter bezeichnet, woraufhin sie ihm eine Ohrfeige verpasst habe.

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Anschließend soll Daniel S. sie geschubst und mit dem Kopf gegen eine Fensterbank gestoßen haben. In verschiedenen Situationen habe der Angeklagte auch gedroht, seine Freundin töten zu wollen.

Die zu einem späteren Zeitpunkt hinzugerufene Polizei hat anschließend laut Anklage einen äußerst renitenten Daniel S. vorgefunden. Die Beamten soll er als „scheiß Bullen“ und „Drecks-Hurensöhne“ bezeichnet und eine 32 Zentimeter lange Metallfeile in deren Richtung gehalten haben.

Mit Pfefferspray zu Boden gebracht

Nachdem die Polizisten mehrfach angedroht haben sollen, ihre Schusswaffe zu nutzen, falls er sie weiter mit der Feile bedrohe, sei Daniel S. mit Pfefferspray zu Boden gebracht worden. Diesen „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“ hat der Angeklagte bereits gestanden.

Obwohl ihm von der Polizei ein zehntägiges Verbot ausgesprochen wurde die Wohnung zu betreten, soll er am selben Tag zurückgekommen sein - der Streit eskalierte erneut.

Dabei soll er seine Lebensgefährtin in eine Art Schwitzkasten genommen und mit einem Hammer bedroht haben. Das Werkzeug konnte ihm von einer ebenfalls anwesenden Freundin der Lebensgefährtin entrissen werden. Auch der Ex-Freund der Lebensgefährtin sei zu dem Zeitpunkt in der Wohnung gewesen und von Daniel S. angegriffen worden. Bei dem Streit sei es unter anderem um Drogen (Amphetamin und Marihuana) gegangen.

„Eigentlich eine ganz ruhige Person“

Trotz all dieser Anschuldigungen bekommt man als Zuschauer das starke Gefühl, dass die Geschädigte trotzdem zu dem Angeklagten hält. Immer wieder sagt sie über ihn, dass er „eigentlich eine ganz ruhige Person“ sei, „niemandem etwas tun“ könne und sich stets liebevoll um ihre Tochter gekümmert habe.

In diese Richtung gehen auch andere Aussagen. „Mir gegenüber war er immer freundlich und aufgeschlossen“, sagt etwa der Ex-Freund von der Frau. Während des ersten Prozesstages wirkt der Angeklagte neben seinem Verteidiger Hans-Jürgen Wemhoff aus Recklinghausen tatsächlich eher wie ein Häufchen Elend. Die Schultern so hochgezogen, dass sie nahezu den höchsten Punkt seines Körpers zu bilden scheinen.

Was war der Grund für die Ausraster?

Die Geschädigte nennt als möglichen Grund den Druck, den Daniel S. bei seiner Arbeit erfahren habe. Er sei oft überfordert gewesen und habe Amphetamin konsumiert, um diesem Stress gewachsen zu sein, erklärt sie. „Er konnte nicht mehr. Er war teilweise so gereizt, hat die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und gesagt: ich kann nicht mehr.“

Auch sei er stark depressiv gewesen. „Man musste ihn vom Boden aufheben und sagen: Komm, du schaffst das. Er sei nicht mehr aus dem Bett aufgestanden, sondern habe unbehandelt vor sich hinvegetiert.

Kann sie sich vorstellen, wieder mit ihm zu leben?

Richter Josef Große Feldhaus fragt in Richtung der Nebenklägerin, ob sie grundsätzlich bereit wäre, nach einem Drogenentzug wieder mit dem Angeklagten zusammenzuwohnen. Darauf antwortet sie: „Wenn er das hinkriegt, ich kann das nicht abschätzen. Ich kann Ihnen darauf keine Antwort geben. Ich schließe es nicht aus. Aber ich glaube, er hat erst mal ein paar Fragen zu beantworten.“

 
 

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