Machen, was man(n) will

Foto: WAZ
Vatertag. Mehr als nur sieben Männer und ein Bollerwagen voll Bier? „Es ist Tradition“, findet Guido Schulte-Schüren (40). Seit vielen Jahren zieht er an Christi Himmelfahrt den hölzernen Karren mit Gerstensaft durch Stiepel, „bei fast jedem Wetter!“. Vielleicht steckt doch mehr dahinter.

Bochum. Das Wetter spielt in diesem Jahr mit. Sieben Männer zwischen 30 und 40 stehen auf dem Hof Schulten-Schüren um ihren Bollerwagen herum, in der Hand das erste Bier. „Ein Mischbier, man wird nicht jünger“, grinst einer. Ihr Plan: „Bis 18 Uhr sind wir wieder zurück.“ Bis dahin soll der Bollerwagen etwas leichter und die Zunge etwas schwerer sein. Zwischenstopps in verschiedenen Kneipen sollen der Bierknappheit vorbeugen.

Die Sieben stehen mitten im Leben, sind Bankkaufmann, Straßenbauer, Metzger, Kraftfahrer, EDV-Dienstleister. Was treibt Sie an?

„Darum, Vater zu sein, geht es nicht mehr“, sagt Schulte-Schüren. „Heutzutage bekommt ja nicht mehr jeder Kinder. Für uns ist es ein Männertag.“ Einmal im Jahr setzte man sich durch gegen die Frauen, mache, was man(n) will.

"Die Frauen haben es ihnen Verboten"

Zumindest am Start sieht das noch anders aus. „Es wird warm, du brauchst deine Jacke nicht“, rät eine der Frauen, die auf dem Hof zurück bleiben. Der Gatte zieht brav die Jacke aus. Ob die Mädels gegen das „Männertagsritual“ sind? „Sie müssen mal sehen, wie die aussehen, wenn die heute Abend zurückkommen“, antwortet Sabine Kamphoff (40).

Dann rollt der Bollerwagen an. Vielleicht geht es doch nur um Spaß. Über Gefühle oder seine Rolle in der Gesellschaft redet keiner. Das Radio plärrt, es werden Witze gemacht, das Bier fließt. „Früher gab es hier viel mehr Gruppen“, weiß Guido Schulte-Schüren. Heute begegnen sie kaum anderen Ausflüglern. Die Vermutung: „Die Frauen haben es ihnen verboten.“

Ein Schlachtruf, der Mut macht

Nach 600 Metern gibt es den ersten Zwischenstopp - eine Kneipe. Jörg, Mike, David, Alexander, Philipp, Olaf und Guido bestellen siebenmal Wasser, natürlich Alsterwasser. „Uns ist es schon wichtig, so ein Männerding zu veranstalten“, meint Guido, während er auf seine Hopfenkaltschale wartet, „wenigstens einmal im Jahr“. Früher sei man noch mit Trecker und Anhänger unterwegs gewesen, jetzt wieder mit Bollerwagen (es wollte halt keiner mehr Fahrer sein).

Das Alster ist fertig, es gibt einen Schlachtruf, um sich Mut zu machen. Dann geht es weiter. Sieben Männer machen ihr Ding.

 
 

EURE FAVORITEN