Life-Geschäftsführer erschien nicht vor Landtags-Ausschuss

Eine umfassende Stellungnahme über die Arbeit der Life Jugendhilfe reichte Geschäftsführer Gerd Lichtenberger dem Ausschuss für Familie,Kinder und Jugend ein. Zur Sachverständigenanhörung erschien er krankheitsbedingt nicht.
Eine umfassende Stellungnahme über die Arbeit der Life Jugendhilfe reichte Geschäftsführer Gerd Lichtenberger dem Ausschuss für Familie,Kinder und Jugend ein. Zur Sachverständigenanhörung erschien er krankheitsbedingt nicht.
Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services
Er sollte an einer Anhörung im NRW-Landtag teilnehmen. Aber Life-Geschäftsführer Gerd Lichtenberger sagte wegen Erkrankung ab.

Bochum.. Ohne den als Sachverständigen geladenen Bochumer Unternehmer und SPD-Ratsherrn Gerd Lichtenberger ist die Anhörung über Auslandsmaßnahmen in der Jugendhilfe am Donnerstag im NRW-Landtag in Düsseldorf über die Bühne gegangen.

Der Geschäftsführer der Life Jugendhilfe GmbH war vom Ausschuss für Familie, Kinder und Jugend eingeladen worden und hatte vorab eine mehr als 50-seitige Stellungnahme zum Thema eingereicht. Krankheitsbedingt, so sein Medienberater Jürgen Wallinda-Zilla, habe er an der Veranstaltung nicht teilnehmen können. „Für weitere Anfragen steht er dem Ausschuss jederzeit gerne zur Verfügung.“

Fehlen ist bedauerlich

Als bedauerlich bezeichnete Christian Haardt, Landtagsabgeordneter und Ratsherr der CDU in Bochum, das Fehlen von Lichtenberger in der Anhörung. „Dadurch konnten wichtige Fragen nicht erörtert werden.“ Den Life-Geschäftsführer bezeichnet Haardt im Zusammenhang mit Auslandsmaßnahmen für Kinder und Jugendliche „als einen der Hauptverantwortlichen des Skandals“.

Die Berichterstattung über einen Jungen namens Paul, den die Life Jugendhilfe im Auftrag der Stadt Dorsten in Ungarn betreut hatte und der mittlerweile nach Deutschland zurück gebracht und in die Obhut einer Pflegefamilie gegeben wurde, hatte eine breite Debatte über Auslandsmaßnahmen ausgelöst. Kritisch betrachtet wurde weniger die grundsätzliche Eignung einer individualtherapeutischen Maßnahme als vielmehr Kosten und vor allem die Kontrolle einer solcher Maßnahmen. Die Staatsanwaltschaft Essen ermittelt zur Zeit gegen Gerd Lichtenberger wegen des Verdachts des Betrugs und Verletzung der Fürsorgepflicht.

229 Euro pro Tag

Nach Lichtenbergers Angaben hat die Life Jugendhilfe seit ihrer Gründung im Jahr 1993 etwa 570 Projekte im Inland und 262 Auslandsmaßnahmen in Polen, Ungarn, Rumänien, Ukraine, Spanien, Italien und Frankreich durchgeführt. Aktuell betreue sie insgesamt 31 Kinder oder Jugendliche im Inland und weitere 28 im vorwiegend europäischen Ausland.

70 Prozent der entstehenden Kosten, die für Maßnahmen im In- oder Ausland gleich berechnet würden, fielen für das Personal an. Gegenüber der WAZ hatte der Geschäftsführer erklärt, „das Standardangebot“ für eine sogenannte Eins-zu-Eins-Betreuung von Life koste 229 Euro pro Tag.

Einrichtungen wie Psychiatrie oder Jugendgefängnis, wo viele der Kinder oder Jugendlichen abgeholt würden, seien dagegen deutlich teurer. „Die geschlossene Unterbringung in Hamburg, wo wir Einige abgeholt haben, kostet 700 Euro pro Tag.“ Einrichtungen wie die Kinder- und Jugend-Psychiatrie in Marsberg „nehmen um die 400 Euro.“

 
 

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