Legendärer Ruhrgebiets-Club „Planet“ in Bochum ist abgerissen

Tom Thelen
Gründer Ralf Odermann steht auf dem Gelände des ehemaligen Clubs Planet. Im Hintergrund an der Wand verblasst das Logo.
Gründer Ralf Odermann steht auf dem Gelände des ehemaligen Clubs Planet. Im Hintergrund an der Wand verblasst das Logo.
Foto: WAZ FotoPool / Ingo Otto
Die Diskothek „Planet“, die von 1992 bis 1999 überregional Nachtleben-Geschichte schrieb, ist zu großen Teilen abgerissen worden. Hier fanden die Anfänge der Techno-Bewegung statt. Mit-Gründer und DJ Ralf Odermann erinnert sich: „Halb Detroit hat damals in Bochum aufgelegt.“

Bochum. Ein abgerissener Hinterhof, Staub und Schuttcontainer, Bauzäune, gelegen direkt neben dem Bahngleis; genutzt als Parkplatz, gegenüber der Traditions-Tanzschule Bobby Linden. Hier wurde Geschichte geschrieben. Keine offizielle, sondern eine, die mit den Anfängen der Techno-Bewegung zu tun hat. Hier fand vor über zwei Jahrzehnten quasi das erste Bochumer Detroit-Projekt statt. Ralf Odermann erinnert sich an den von ihm mitgegründeten Club „Planet“, dessen spektakuläre architektonische Markenzeichen in diesen Tagen abgerissen worden sind.

Techno im Ex-Möbellager

Am 29. Mai 1992 eröffnete der von Odermann (gemeinsam mit Hans-Jürgen Hauschulz, Alexander Schüler und Frank Nokielski) gegründete „Planet“ seine Türen. In dem ehemaligen Möbellager hatte ein Gastronom aus dem Sauerland sein Glück mit einer rustikalen Stube versucht. Zwischen Wagenrädern und Dachschindeln.

Die Bochumer Gastronomen rissen den Schrott ‘raus, was zurück blieb, erinnerte an einen Outer-Space-Raum, den sich Pop-Ikone Charles Wilp nicht hätte besser ausdenken können. Eine seltsam amorphe Landschaft, dazu, in der Etage darüber, eine Bar, „Milliways“ genannt. Wie jenes Restaurant am Ende des Universums, das sich Douglas Adams ausgedacht hat. Aus dessen Buch stammte auch der „Pangalaktische Donnergurgler“, der Top-Cocktail der Bar, dem ein Stadtmagazin seinerzeit eine ganze Seite widmete.

Die besten Acts der frischen Szene

Zunächst blieb der Club im musikalischen Fahrwasser zwischen Indierock und Hip-Hop. Als das für den Freitagabend nicht mehr optimal lief, holte Odermann eine Schwulenparty in den Laden. Die brachten einen DJ mit, der Techno spielte. Jene Musikrichtung, die gerade ihren Siegeszug durch Europa antrat.

Schnell etablierte sich der Tanzabend ruhrgebietsweit, auch Odermann selbst sattelte erfolgreich auf Techno um. „Die Frühphase mit Ganzkörperschutzanzügen und Staubsauger auf dem Rücken war da schon vorbei“, erinnert sich Odermann an die Anfänge in Bochum. Er buchte dann die besten Acts der frischen Szene.

1400 Besucher in einer Donnerstagnacht

Die führenden Plattendreher der eigentlichen Achse Detroit-Berlin machten in der Folge in Bochum Station: Jeff Mills, Derrick May und Juan Atkins legten auf. Künstler, die als Pioniere gelten und heute auch schon mal mit Symphonieorchestern in gigantischen Kontexten auftreten. Der „Planet“ gehörte zu den Hot-Spots der deutschen Techno-Landschaft. Als sich 1994 der deutsche Vinyl-Primus, Sven Väth, die Ehre gab, tanzten, so Ralf Odermann, 1400 Menschen im Club an der Kortumstraße.

Mit dabei und sicherlich guter Laune sogar die Brüder Fiege nebst Ehegattinnen: „Die sind natürlich nicht so lange geblieben“, grinst der Clubmacher, der 1997 ausstieg. Bis 1999 gab es den Club dann noch unter dem Namen „Planet“, anschließend versuchten sich noch etliche Betreiber mit unterschiedlichsten Konzepten und Namen an einer Wiederbelebung. Doch eine historische Bochumer Nachtleben-Ära war beendet.

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