Zwischenfall für lokale Helden

Anna Ernst
Zelebrierten das harte Genre des Death Metals: Sänger Kai und seine Gruppe „Automatic Self Destruct“.
Zelebrierten das harte Genre des Death Metals: Sänger Kai und seine Gruppe „Automatic Self Destruct“.
Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
Im Bahnhof Langendreer wurde neue Plattform für lokale Bands geschaffen

Langendreer.  Das Zwischenfall ist tot – lang lebe das Zwischenfall. Zumindest die Musik und die Atmosphäre des Clubs haben im Bahnhof Langendreer ein neues Zuhause gefunden. „Zwischenfall presents“ sind mehrere Konzerte überschrieben, die Norbert Kurtz, ehemaliger Chef des Düster-Clubs, in dem soziokulturellen Zentrum auf die Bühne bringt. Das Besondere: Sie bieten eine Plattform für ambitionierte Musikgruppen aus ganz Bochum.

„Local Heroes of Bochum“ wurde ursprünglich als Benefiz-Konzert für das Zwischenfall eingeführt. Jetzt soll die Veranstaltung weiterleben und junge Talente fördern. „Es geht darum, die eigene Musikszene populärer zu machen“, erklärt Norbert Kurtz. Mit rund 200 zahlenden Gästen feierte die neue Nacht der lokalen Helden jetzt ihren Einstand. Ein Ergebnis, das den ehemaligen Zwischenfall-Chef zuversichtlich in die Zukunft blicken lässt. Denn die Musikszene der Stadt präsentierte sich an diesem Abend vital und vielfältig.

Wummernde Bässe, harte Gitarrenriffs, „gutturaler“ Gesang mit martialischen Schreien und Grunzlauten: Die Bochumer Gruppe „Automatic Self Destruct“ brachte das harte Genre des Death Metal mit allem, was dazu gehört, auf die Bühne. Seit 2008 ist die fünfköpfige Formation live unterwegs: mit Titeln wie „Generation Violence“ oder „March Force Trauma“. Während manche Freunde sanfterer Rockmusik im Publikum etwas eingeschüchtert wirkten, marschierte Schlagzeuger Dirk passend zum Song umso heftiger auf dem Pedal der Bassdrum mit.

Große Portion Dankbarkeit

Doch hinter der unsanften Show in durchweg schwarzer Kleidung steckte bei Frontmann Kai (37) auch eine große Portion Dankbarkeit: „Als kleinere Band ohne Label ist es wichtig, solche Gelegenheiten zu bekommen“, erklärte er. „Und hier gibt es eine gute Mischung aus verschiedenen Musikrichtungen, die man so auf anderen Konzerten nie hören würde.“ Denn nach kurzer Umbaupause ging der rockige Abend in einer komplett anderen Richtung weiter.

„Die Sins“ haben schon eigene Fangruppe

Garagenrock mit Offbeat-Einflüssen, wie man sie aus Ska und Reggae kennt, so beschreibt die jungen Band „Die Sins“ ihre Musik. „Wir haben schon 2005 im Schulalter angefangen“, sagte Sänger Leif. Heute ist der 21-Jährige Student und probt mit seinen Bandkollegen in Langendreer. „Klar, grundsätzlich ist das erstmal unser Hobby. Aber es wäre natürlich gewollt, das mal zu erweitern, falls sich die Chance bietet.“ Nach Auftritten bei Stadtfesten wie „Bänke raus“ oder dem „N.a.t.u.r.“-Festival in der Rotunde hat die Band jedenfalls schon eine kleine Fangruppe hinter sich.

Alteingesessene Hobbymusiker haben es schwerer

Doch während in der Studenten-Szene ständig Newcomer gesucht werden, ist es für die alteingesessenen Hobby-Musiker meist schwerer, Auftrittsmöglichkeiten zu finden. „Wir sind ja alle berufstätig“, sagt Volker (42), Sänger der Gruppe „Old Styles Best“. Ihr Repertoire umfasst mittlerweile Stücke aus fast allen Zeiten der Hardcore- und Punk-Bewegung. „Aber wir würden gern öfter auftreten. In Bochum ist das schwer geworden. Bochum Total zum Beispiel ist ja auch kein Nachwuchsfestival mehr.“

Da scheinen die Zwischenfall-Konzerte jetzt eine echte Lücke zu schließen.

Zwei weitere Konzerte, bei denen sich lokale Musikgruppen präsentieren werden, sind in diesem Jahr geplant. „Während die ,Local Heroes’ alle auf Englisch gesungen haben, gibt es im März ein Konzert mit deutschsprachiger Musik“, sagt Veranstalter Norbert Kurtz. Ein dritter Musikabend ist im Herbst geplant.

„Ruhrpott Punk Rock Bash“ heißt die Veranstaltung am Freitag, 22. März. Angesagt haben sich die Bochumer Punkrock-Gruppen „Hotel Energieball“, „2nd District“ und „Dye Fun“. Los geht es um 20 Uhr im Bahnhof Langendreer. Der Eintritt kostet sechs Euro. Mehr auf www.bahnhof-langendreer.info