Von der Chor-Gründerzeit blieb nur die Fahne

Die Männer im Chor, der im Ersten Weltkrieg zum gemischten wurde, posierten für den Fotografen; das Bild ist datiert auf 1925.
Die Männer im Chor, der im Ersten Weltkrieg zum gemischten wurde, posierten für den Fotografen; das Bild ist datiert auf 1925.
Foto: Privat
Kirchenchor Liebfrauen Altenbochum-Laer feiert sein 125. Jubiläum. In der Chronik findet sich nichts mehr über die Geburtsstunde.

Altenbochum/Laer. Seit 125 Jahren gibt es den Kirchenchor Liebfrauen Altenbochum-Laer der gleichnamigen katholischen Gemeinde. Die 50 Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Kirchenmusiker Johannes Keller nahmen sich deshalb für 2015 einiges vor. So setzt ein großes Konzert mit dem Motto „Te Deum laudamus“ (lat.: Wir loben Dich Gott) den Auftakt am Sonntag, 18. Januar, für ein musikalisches Jahr.

„Wir freuen uns schon jetzt auf viele Gäste“, betont deshalb Wolfgang Pappert, Vorsitzender der Chorgemeinschaft. Der 57-jährige Diplomingenieur bereitet sich mit dem gesamten Vorstandsteam bereits seit zwei Jahren auf dieses Ereignis vor.

„Bei vielen aktiven und passiven Chormitgliedern haben wir nach alten Unterlagen und vor allem Fotos zum Chor nachgefragt, um eine Festschrift zu erstellen“, erklärt er. Fündig wurden sie vor allem in der Zeit seit den 70er Jahren. Die gern besuchten Karnevalsveranstaltungen im Gemeindezentrum bis Mitte der 90er Jahre sowie die Chorfahrten gehören zu den häufigsten Bildmotiven.

Pappert stieß auch auf so manche Rarität. Etwa ein Foto vom Chorausflug von 1955. Ursula Kottmann, die von 1946 bis 2003 aktiv im Chor sang, hatte es in ihrem Fundus. Noch heute ist der Chor für die 86-Jährige enorm wichtig. „Ich war 1946 bei der Wiedergründung schon dabei. Auch heute komme ich immer noch gerne zu den Konzerten“, versichert sie. In der alten Vikarie, Liebfrauenstraße, unternahm der Chor seine ersten Schritte im zerbombten Bochum nach dem Krieg.

Ursula Kottmann singt seit 57 Jahren im Chor und lobt die Gemeinschaft

Richtig gefördert fühlte sie sich erst, als nicht mehr pensionierte Lehrer den Chor dirigierten, sondern studierte Musiker. Etwa als der Kirchenmusiker Norbert Bunse 1971 die Leitung antrat. 1981 folgte Johannes Keller.

Ursula Kottmann findet bis heute die Gemeinschaft im Chor toll. Gerne blickt sie auf ihre 57 Jahre zurück, die sie dort sang und Freundschaften schloss. Etwa mit Maria Krimmel und Enne Nottebaum. In besonderer Erinnerung blieben zudem die Chorfahrten nach Rom (1980) und nach Assisi (1990). Letztere fand zum 100-jährigen Chorbestehen statt.

„Aus den Anfangstagen des Chores 1890 blieb nur die Fahne erhalten“, erzählt Ursula Keller. Das Besondere daran ist, dass Laer damals dazu gehörte. Denn auf der Fahne steht: „Kirchenchor Liebfrauen Altenbochum-Laer“. Fronleichnam Laer wurde 1913 ausgepfarrt und 2008 wieder eingemeindet.

Da das Archiv dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer fiel, blieben dem Chorvorstand nicht viele Informationen von den Anfängen. Pappert: „Es entstand bei der Gemeindegründung ein Männerchor. Dieser wurde im Ersten Weltkrieg zum gemischten Chor, da die Männer eingezogen waren.“ Der Chor blieb damit in der gesamten Zeit fast immer aktiv.

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