Spielerisch fürs Berufsleben rüsten

Ein Haar wurde im Sandwich gefunden. Das gibt Ärger und sorgt für Unruhe in der multikulturellen Belegschaft. Zumindest kurzzeitig.
Ein Haar wurde im Sandwich gefunden. Das gibt Ärger und sorgt für Unruhe in der multikulturellen Belegschaft. Zumindest kurzzeitig.
Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
16 Migranten nutzen Theaterprojekt, um in der neuen Heimat leichter Fuß zu fassen

Langendreer.  Der Neuanfang in einem fremden Land ist schwer. Eine andere Kultur, andere Gepflogenheiten – und natürlich die Sprache. Auch viele Menschen, die nun Bochum ihre neue Heimat nennen, kennen diese Problematik. 16 von ihnen haben sich deshalb dem Projekt „JobAct Sprachkultur“ angeschlossen, das die in Witten beheimatete Projektfabrik im Auftrag des Jobcenters und in Kooperation mit VIA (Verein für integrative Arbeit) erstmals in unserer Stadt durchführt. Höhepunkt der elfmonatigen Weiterbildungsmaßnahme war jetzt – zur Halbzeit – die Aufführung eines eigenen Theaterstücks im Bahnhof Langendreer.

Unter Leitung der Theaterpädagogin Lene Keckeisen probten die 16 Teilnehmer seit August dreimal die Woche, um am Ende vor 200 Zuschauern ein einstündiges Stück auf die Bühne zu bringen. „Wie schmeckt Dein Leben?“ erzählt die Geschichte eines Paares, das aus Pakistan fliehen muss und in Bochum landet. In der Küche eines Fastfood-Restaurants finden sie eine Arbeit. Hier tummeln sich Menschen aus aller Herren Länder. Die Küche wird zu einem Ort der multikulturellen Begegnung, der Freude und Ausgelassenheit. Ob Chili, Zimt oder Koriander – die kulinarischen Einflüsse ihrer Heimatländer bringen neue Schärfe in das Leben der Protagonisten. Und die Kochkünste der pakistanischen Küchenfee bewirken am Ende sogar wahre Wunder.

Lene Keckeisen hat mit ihrer Truppe ein farbenfrohes und munteres Bühnenstück einstudiert, das amüsiert, aber auch berührt. Die Präsenz und Spielfreude der Laiendarsteller ist enorm. „Unglaublich, das sah am Anfang noch ganz anders aus. Da wollte die eine oder andere gar nicht auf die Bühne“, lacht Lene Keckeisen und freut sich über die „Wahnsinnsentwicklung“, die Reza, Beata, Hatice & Co. gemacht haben.

Beim gemeinsamen Frühstück kam der Geistesblitz

Die passende Idee zu dem Stück zu finden fiel Lene Keckeisen nicht leicht. Bei einem der gemeinsamen Frühstücke kam ihr der Geistesblitz: „Da gab es so viel Essen, es wurden Rezepte ausgetauscht, so dass mir plötzlich klar war: Es muss ums Essen gehen.“ Die Zusammenarbeit mit ihren „Schülern“ fand sie sehr harmonisch. „Alle haben sich gegenseitig unterstützt, Streit gab es nie“, lobt sie. „Ich bin unheimlich froh, dass ich mit ihnen zusammen arbeiten durfte. Das war ein Geschenk.“

Nach diesem künstlerischen Teil des „JobAct Sprachkultur“-Projektes steht nun der erste Schritt ins Berufsleben an – mittels fünfmonatiger Praktika. Während der Theaterproben haben die 16 Teilnehmer nämlich nicht nur fleißig die deutsche Sprache gelernt, sonder zeitgleich auch unter Mithilfe von Martine Panteleon (VIA) Bewerbungen geschrieben.

Deutlich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Die Fäden hält die Projektfabrik in der Hand. „Wir bringen die Theaterpädagogin mit, haben das Konzept und stellen die Projektleitung“, erklärt Miriam Witteborg, die vom Theaterstück begeistert ist: „Ganz toll. Zwischen dem ersten Proben Tag und der Aufführung liegen Welten.“ Als Bildungs- und Kostenträger fungiert das Jobcenter. Auch Johannes Rohleder ist angetan von dem Projekt: „Die Teilnehmer nehmen viel mit und haben hinterher deutlich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.“ Die Zahlen sprechen für sich: Immerhin 50 von insgesamt 120 Teilnehmern ähnlicher „JobAct“-Projekte fanden am Ende einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz, 80 Prozent verbesserten deutlich ihre Sprachkenntnisse.

Elf Nationalitäten auf einer Bühne

Elf Nationalitäten treffen in dem Teilnehmerfeld übrigens aufeinander: Iran, Irak, Pakistan, Japan, Afghanistan, Polen, Russland, Ukraine, Sri Lanka, Kroatien und Türkei. „Wir sind wie eine Familie“, berichtet Beata begeistert.

 
 

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