Kundendienst in dritter Generation

1991.
1991.
Foto: WAZ
150 Jahre Adler-Apotheke, 100 Jahre in Familienbesitz und seit 50 Jahren an der Unterstraße: Die älteste im Stadtteil

Langendreer..  Der Mann hat klare Positionen: „Ich bin für die Gesundheit der Menschen“, sagt Dr. Reinhard Seidenstücker, „aber gegen die Verlängerung der Straßenbahnlinie 310.“ Beide Aussagen sind seinem Beruf geschuldet: Seidenstücker ist Inhaber der Adler-Apotheke an der Unterstraße 2, die am 17. Juni ihr 150jähriges Jubiläum feiern konnte.

„Seit 1861 in kranken und gesunden Tagen: Rat und Hilfe aus der Adler-Apotheke Langendreer“, ist das Motto des promovierten Pharmazeuten. „Aber wenn die Straßenbahn gebaut wird“, befürchtet er, „wird das die Zukunft der ältesten Apotheke Langendreers, die sich nun schon seit 100 Jahren in Familienbesitz befindet, massiv gefährden.“ 150 Jahre Apotheke, 100 Jahre in Familienbesitz und dazu noch 50 Jahre an der Unterstraße: Dr. Seidenstücker kann gleich drei runde Jubiläen auf einmal feiern.

Am 17.Juni 1861 erteilte die königliche Regierung in Arnsberg dem Amt Langendreer das Recht, eine Apotheke zu errichten. Der Apotheker Goedecke wurde Inhaber dieses vererbbaren und verkäuflichen Realrechtes, das aber an das damalige Grundstück (heute Hauptstraße 142) gebunden war. Diese Apotheke war die einzige im Amt Langendreer, zu dem damals auch die Gemeinden Werne, Stockum, Düren und Somborn gehörten.

Es war der vierte Besitzerwechsel, als Hermann Seidenstücker 1911 die Apotheke übernahm. Er war Sohn des Knappschaftsdirektors Wilhelm Seidenstücker und seiner Frau Mathilde, die eine geborene Müser war (Müser-Brauerei). Ein halbes Jahrhundert versorgte der Apotheker die Bevölkerung mit Medikamenten, war darüber hinaus auch Gemeindevertreter und seit 1948 auch Vorsitzender des Verkehrsvereins.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Apotheke von einer Luftmine getroffen. Erst nach der Währungsreform 1948 konnte man an den Wiederaufbau gehen. Seidenstücker und seine Tochter Ursula, die damals bereits Pharmazie studierte, modernisierten grundlegend und arbeiteten ab 1953 im ebenerdigen Anbau (heute Pizzeria).

Möglich wurde der Umzug zur Unterstraße schließlich durch ein Urteil vom 22. November 1956: Das Bundeverwaltungsgericht stellte fest, dass die Vergabe von Apothekenkonzessionen … nicht mit Art. 3 des Grundgesetzes vereinbar sei. Die Beschränkung der Apotheken-Anzahl sei kein … Mittel, um die Volksgesundheit zu schützen. Im Jahr 1958 wurde dann nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts die Niederlassungsfreiheit eingeführt, so dass seitdem jeder Apotheker eine Apotheke am Standort seiner Wahl eröffnen darf.

Nach diesem Urteil konnten Seidenstückers ihre Apotheke verlegen und erwarben nach langen Verhandlungen das Grundstück Unterstraße 2-6. Seidenstücker und seine Tochter, die seit 1955 als approbierte Apothekerin im väterlichen Betrieb tätig war, betrieben den Umzug. Leider starb Hermann Seidenstücker am 4. November 1960 noch vor Baubeginn. Tochter Ursula führte den Bau zuende und verlegte am 3. Mai 1961 die Adler-Apotheke von der Hauptstraße 142 an die Hauptstraße/Ecke Unterstraße.

Am 1. Januar 1991 schließlich übergab sie nach 30 Jahren den Familienbetrieb an die dritte Generation, ihren Neffen Dr. Reinhard Seidenstücker. In den letzten 20 Jahren führte er moderne EDV und Zusatzleistungen wie Blutdruck-, Blutzucker- und Cholesterinmessungen ein. „Mit Hilfe den Daten auf der Kundenkarte kontrollieren wir die verordneten Arzneien auf Wechselwirkungen“, sagt er. Individueller Kundendienst ist ihm bis heute wichtig.

 
 

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