Karneval verkehrt in Altenbochum

Fast noch wichtiger als ein tolles Kostüm sind beim Umzug der Grundschüler möglichst große Tüten oder Hüte
Fast noch wichtiger als ein tolles Kostüm sind beim Umzug der Grundschüler möglichst große Tüten oder Hüte
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Beim Umzug der Lina-Morgenstern-Schule drehen die Kinder den Spieß um:Sie werfen die Kamelle nicht, sie lassen sie sich zuwerfen. Ein großer Spaß für alle

Altenbochum..  Obwohl der Himmel pünktlich zum Start seine Schleusen öffnet, ist die Stimmung prächtig auf dem Schulhof an der Bon­hoefferstraße in Altenbochum. Mit viel Tam-Tam und fröhlichen Gesängen geht er los, der Karnevalsumzug der Lina-Morgenstern-Grundschule. Wie jedes Jahr am Freitag zwischen Weiberfastnacht und Rosenmontag. Zum zehnten Mal schon. Die Idee dazu hatte die frühere Rektorin Ute Klein.

Inzwischen leitet Paul Roos die Grundschule mit zwei Standorten (neben Altenbochum auch Kornharpen). „Ich führe diese Tradition gerne weiter“, sagt der als Sträfling verkleidete Schulleiter. „Letztes Jahr, als wir wunderbaren Sonnenschein hatten, bin ich als Taucher gegangen, so richtig im Neopren-Anzug. Das Kostüm hätte bei dem Regen heute besser gepasst“, sagt er lachend und kämpft dabei mit der Technik. Der Lautsprecher, den Roos auf einem Wägelchen vor sich her schiebt, muckt.

Straßen im Sprengel sind bunt geschmückt

Macht nichts. Karnevalsmusik gibt es am Straßenrand genug. Alle paar Häuser stehen Anwohner und Eltern – viele sind beides zugleich – und warten auf den Karnevalsumzug. Neben ihnen große Körbe, bis oben hin gefüllt mit Süßigkeiten. Denn hier in Altenbochum wird Karneval verkehrt gefeiert: Nicht die Kinder werfen mit Kamelle – sie lassen werfen. Schließlich sind die Kleinen ja die Bonbonesser.

Das Viertel ist bunt geschmückt. Luftballons hängen an den Laternen, Fähnchen sind über die die Straße gespannt. Wenn nur der Regen nicht wär’. Doch der stört die kleinen Indianer, Lego-Männchen, Teufelchen, Astronauten, Dinosaurier oder Star-Wars-Krieger wenig. Wichtig ist vor allem, dass möglichst viel in die großen Tüten, die sie dabei haben, kommt.

Und an Kamelle gibt es reichlich. Günter und Sybille Grabowski sind extra aus Eppendorf (und mit vollem Korb) gekommen, um mit ihrem Enkelkind zu feiern. „Nächstes Jahr auf jeden Fall wieder“, sind Oma und Opa begeistert. Ruth Völker versüßt sich derweil gemeinsam mit Nachbarinnen bei einem Piccolöchen die Wartezeit. Dann „kütt“ der „Zoch“: Helau! Und schon hagelt es Kamelle. Mitunter nicht ungefährlich: So manches süße Teilchen landet schnell mal am Kopf.

Doch echte Karnevalisten kennen keinen Schmerz. Außerdem wartet schon die nächste „Versorgungsstation“. Etwa bei Ulrike Kirch­esch. Sie steht auf dem Baugerüst, das ihr Haus umgibt, und wirft von oben. „Wie praktisch“, sagt sie, „da fühlt man sich doch glatt, als stünde man im Karnevalswagen.“ Gegenüber wartet Angela Vössing, als Skelett verkleidet, auf die 250 Schüler und 20 Lehrer. Von ihr sind zwei Kinder dabei. Während aus dem CD-Player passenderweise „Bitte lass mich nicht allein im Regen stehen“ schallt, wirft sie ein süß-buntes Gemisch: Kamelle mit Konfetti.

Nach einer großen Runde durch den Sprengel treffen die kleinen Karnevalisten mit reicher Beute wieder an der Schule ein. Hier wird noch fröhlich weiter gefeiert. Die Eltern haben für ein Buffet gesorgt. Doch ob ihre Kinder überhaupt noch hungrig sind? Auf dem Weg zurück wurde nämlich schon fleißig genascht . . .

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