Kampf gegen Nazis in Langendreer geht weiter

Ende Oktober 2011 demonstrierten viele Langendreerer gegen Nazis. Kurz darauf wurde der erste Runde Tisch gegen Rechts einberufen.
Ende Oktober 2011 demonstrierten viele Langendreerer gegen Nazis. Kurz darauf wurde der erste Runde Tisch gegen Rechts einberufen.
Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
Bezirksbürgermeisterin Andrea Busche (SPD) lässt Runden Tisch gegen Rechts wieder aufleben und findet viele Mitstreiter. Mehrere Veranstaltungen geplant.

Langendreer..  Der letzte Runde Tisch gegen Rechts liegt schon mehr als zwei Jahre zurück. Im Januar 2013 hieß noch der alte Bezirksbürgermeister Norbert Busche alle Beteiligten willkommen. Nun war es seine Nachfolgerin, Tochter Andrea, die den Runden Tisch wiederbelebte. „Auch wenn es aktuell keine Häufung von rechtsgerichteten Straftaten gibt, hat das Thema weiter hohe Relevanz“, findet sie. Busche fand viele Mitstreiter, die sich zu ihr in die Nelson-Mandela-Schule gesellten. Ein passender Ort, trägt die Sekundarschule doch das Siegel „Schule ohne Rassimus“.

Ein Vortrag von Dieter Frohloff (Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus) zu Beginn macht deutlich, dass die rechte Szene in Bochum nach wie vor aktiv ist. Das rechtsextreme Potenzial schätzt er auf mindestens vier Prozent – höher als in vergleichbaren Großstädten wie Bielefeld. Interessant: Frohloff berichtet davon, dass die Ausländerfeindlichkeit allgemein zurückgeht, die Hetze und Gewalt gegen einzelne Bevölkerungsgruppen allerdings stark zunimmt – etwa gegen Sinti und Roma, Muslime und Flüchtlinge.

„Das deckt sich mit der Stimmung, die ich im Stadtteil wahrnehme“, schildert Andrea Busche ihre Erfahrungen aus vielen Begegnungen. „Dank“ Bewegungen wie Pegida (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) sei bei vielen der Mut größer, sich auch mal politisch-unkorrekt zu äußern. „Am Ende heißt es dann, das werde man doch mal sagen dürfen“, berichtet Busche.

Nicht nur vorbeugen, sondern auch Integration vorleben

Pastor Michael Kemper hört in seinen katholischen Gemeinden viele Stimmen, „die sich vor Überfremdung fürchten, dadurch aber nicht gleich etwas gegen Ausländer haben“. Gerade deshalb gelte es nun, so Dieter Frohloff, nicht nur vorbeugend aufzuklären, sondern auch Integration vorzuleben, aktuell speziell bei den Flüchtlingen.

Die Bereitschaft dazu ist in der Runde gegen Rechts groß. Gleich mehrere Veranstaltungen haben einzelne Organisationen und Institutionen ohnehin schon geplant: Das Bündnis „Langendreer und Werne gegen Nazis“ lädt im Rahmen der Bürgerwoche Ost am Freitag, 12. Juni, ab 16 Uhr zu einem Fest der Begegnung am Flüchtlingsheim Krachtstraße in Werne ein. Dazu ist ab 9. November eine Ausstellung über die Opfer der NSU in der Lessing-Schule angedacht. Die Nelson-Mandela-Schule startet am 18. Mai eine Projektwoche gegen Rassismus. Und die Naturfreunde Langendreer treffen sich am 8. Mai zu einer Friedens-Kundgebung „Kopf-ab-Denkmal“.

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