Blauröcke proben den Ernstfall

Sanitäter des DRK transportieren eine „Verletzte“.
Sanitäter des DRK transportieren eine „Verletzte“.
Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
Feuer im Von-Waldthausen-Schulzentrum Werne: Löscheinheiten aus Langendreer und Höntrop rücken an und retten 14 Brandopfer

Ost..  „Unklare Rauchentwicklung im Schulgebäude“ – so lautet das Stichwort, mit dem die Löscheinheiten Höntrop und Langendreer der Freiwilligen Feuerwehr gegen 10.30 Uhr alarmiert werden. Zwei Löschfahrzeuge rücken mit Blaulicht und Sirenengeheul an der Von-Waldthausen-Straße in Werne an. Hier wird der Ernstfall geprobt.

Eine rußgeschwärzte Reinigungskraft rennt den Einsatzkräften aufgeregt entgegen. Hastig erzählt sie, dass sie im Kellergeschoss eine Tür geöffnet hat. Dabei kam es zu einer Verpuffung. Rauch und Feuer breiten sich schnell im zweigeschossigen Schulgebäude aus. Die Frau spricht von mehreren eingeschlossenen Verletzten. Dann verliert sie das Bewusstsein. Das Übungsszenario wirkt authentisch.

Welcher Eingang soll angefahren werden? Wo sind die Menschen eingeschlossen? Sind die Betroffenen ansprechbar? Wie schwer sind ihre Verletzungen? Rund 40 Feuerwehrmänner sind im Einsatz. Insgesamt 14 Brandopfer gilt es aufzufinden und zu versorgen. Der erste Einsatztrupp wagt sich in das Gebäude. Ausgestattet mit Atemmasken suchen die Männer die Räumlichkeiten nach den Vermissten ab, kriechen über den Boden und tasten sich im dichten Rauch voran. „Ich brauche einen Sani hier, schnell“, ist das Stichwort für den Notarzt von Medcare Professional sowie weitere zehn Sanitäter des DRK Wattenscheid. Die Verletzten werden in einem Zelt auf dem Schulgelände medizinisch versorgt.

Rettungsaktion zerrt an den Kräften

Die Rettungsaktion zerrt an den Kräften. Nico Serafin (19) legt die schwere Ausrüstung schnaufend ab: „Ich war im ersten Einsatztrupp und hatte die Menschenrettung zur Aufgabe. Ich konnte drei Kinder und ihre Mutter aus einem Klassenzimmer befreien.“ Er findet die Übung sehr realistisch: „Bei den Wunden konnte man gar nicht unterscheiden, ob das echt oder unecht ist.“ Seit zwei Jahren ist Serafin bei der Freiwilligen Feuerwehr: „Ich habe nach einem sinnvollen Hobby gesucht. Was Sinnvolleres als Menschen zu retten gibt’s nicht. Das heute ist meine bisher größte Übung. Es ist gut, so eine Erfahrung zu machen.“

Zusammenarbeit hat Premiere

Thorsten Holderberg (45), Lehrrettungsassistent, erklärt: „Ziel der Übung ist es, die Zusammenarbeit der Löscheinheiten untereinander als auch mit dem DRK und Medcare Professional zu optimieren. Diese Zusammenarbeit hat Premiere.“ Etwa zwei Wochen lang wurde die Großübung vorbereitet. Räumlichkeiten mussten begangen, Anfahrtswege ausprobiert, ein realistisches Ereignis erdacht und Notfalldarsteller gefunden werden. Manuela Holderberg spielt die Rolle der hysterischen Reinigungskraft sehr überzeugend: „Das hat Spaß gemacht. Hätt’ ich nicht gedacht.“ Ramona Geldmacher (23) ist übersät mit Glassplittern: „Ich habe schon dreimal eine Verletzte gemimt. Einmal hatte ich eine Platzwunde am Kopf, ein anderes Mal war ich auf einer Toilette eingeschlossen. Die Übungen sind echt spannend.“

Verletzungen täuschend echt

Die unterschiedlichen Verletzungen – Schnittwunden, Kopfverletzungen, Verbrennungen, offene Brüche – sehen täuschend echt aus. Dafür hat Kai Söndgen (42), professioneller Notfalldarsteller des DRK Witten, gesorgt: „Meine Aufgabe ist es so zu schminken, dass die Einsatzkräfte Panik kriegen und denken ,Das ist ja echt’“. Vor dem Einsatz heizt Söndgen den Notfalldarstellern ein: „Ihr dürft schreien, jammern, hysterisch sein, treten – alles klar?“ Die Organisatoren der Übung sind zufrieden mit dem Einsatz: „Eine gelungene Sache. In möglichst kurzer Zeit wurden alle herausgebracht und versorgt. Die Erkundung am Anfang hätte etwas schneller gehen müssen, aber ansonsten ist alles gut gelaufen. Die Kooperation hat gut geklappt. Dass wir hier Hand in Hand arbeiten ist wirklich schön.“

 
 

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