Abschied mit Tränen und Rockmusik

Wicho Herrmann
„Dan Dalien“ sorgten beim Abschiedsfest im Oberlinhaus nach Anlaufschwierigkeiten für Stimmung.
„Dan Dalien“ sorgten beim Abschiedsfest im Oberlinhaus nach Anlaufschwierigkeiten für Stimmung.
Foto: Wicho Herrmann
Ein letztes Mal diente das Werner Oberlinhaus jetzt als Veranstaltungsort.120 Gäste kamen zur Abschlussparty, bei der drei Bands für Stimmung sorgten

Werne.  „Kommt schon! Macht mit! Lasst uns Party machen!“ Sängerin Stephanie Kleine von „Dan Dalien“ lacht, schmollt, bettelt und legt immer wieder einfach los, um die gut 80 Besucher im Saal des Oberlinhauses der evangelischen Gemeinde bei guter Musik zum Mitmachen zu animieren.

Den Gästen ist jedoch nicht so recht danach. Denn: Das hier ist ihre letzte große Veranstaltung im Hause. Zum 1. Oktober ziehen die meisten Gruppen aus, ‘rüber ins Erich-Brühmann-Haus an der Kreyenfeldstraße. Die restlichen Nutzer kommen wenig später nach, wenn die Reparaturen auf der Jugend-Etage abgeschlossen sind. Dort verursachte der Starkregen vom 20. Juni schwere Schäden, die noch beseitigt werden. Nach wie vor stehen Trocknungsgeräte in den Räumen der Offenen Tür.

„Lasst uns heute noch mal so richtig miteinander feiern.“ Dazu fordern kurz zuvor auch Norbert Büscher, Initiator des Abends, und Werner Schubert, Vorsitzender des Fördervereins Oberlinhaus, auf. Schubert zieht jedoch auch schonungslos Bilanz. „Wir verlassen das Haus, weil wir die Unterhaltskosten nicht mehr aufbringen können“, erklärt er nachdenklich. „In den ersten fünf Jahren seit 2006 ist uns es gut gelungen, diese 4000 Euro aufzubringen.“

Immer noch Schulden bei der Gemeinde

In 2012 schnellte jedoch die Abrechnung mit der Gemeinde auf 9000 Euro hoch. „Das haben wir nur noch mit Hilfe von Sonderzuschüssen des Evangelischen Blauen Kreuzes ausgleichen können“, so Schubert. Das gehe nun nicht mehr. Zumal der Kindergarten in die Nachbarschaft zieht und das Jugendamt nicht mehr eine Teilmiete nebst Nebenkosten übernimmt. Mit 3400 Euro stehe man bei der Gemeinde noch in der Kreide. Schubert: „2000 Euro haben wir noch auf dem Konto. Der Restbetrag soll über den Konzertabend zusammenkommen.“

Bands spielen ohne Gage

Emotionaler wird Ralf Fenner vom Christlichen Verein junger Menschen (CVJM). „20 Jahre habe ich hier gute und schöne Jugendarbeit gemacht. Solche schönen Räume werden wir im Erich-Brühmann-Haus nicht mehr für uns haben“, erklärt er den Tränen nahe. Fenner und Schubert danken den Bands, die immer wieder ohne Gage für das Haus spielten und nun zum letzten Mal dafür auftreten.

Am Ende erklingt Udo Lindenberg

Und dann ist doch noch Party: Sängerin Kleine wird langsam warm mit dem Publikum. Bei Stücken wie „Lemon Tree“ (Fool’s Garden) und „Breakfast At Tiffany’s“ (Deep Blue Something) kommt Stimmung im Saal auf, so dass die Band zwei Zugaben gibt.

Just-4-Fun und die Gipsys folgen. Bei „What ever you want“ (Status Quo), „Radar Love“ (Golden Earring), „Sexy“ (Marius Müller-Westernhagen) und „Smoke on the water“ (Deep Purple) geht dann musikalisch die Post ab. Die inzwischen 120 Besucher ziehen tanzend, mitsingend und klatschend mit. Um 1 Uhr ist endgültig Schluss. Als letzter Song erklingt „Hinterm Horizont“ von Udo Lindenberg.

Skatgruppe kommt im Gemeindessal unter

Zurück zum Umzug: „Fast alle ziehen mit um“, sagt Schubert. Das sind neben dem Blauen Kreuz (vier Gruppen) und dem CVJM der Volkschor Werne, die tamilische Tanzgruppe, die SPD-Gruppe und die Frauenhilfe, Bezirk 3. Die Skatgruppe kommt im katholischen Gemeindesaal am Hölterweg unter.

Info: „Im Haus und im Kindergarten sollen Wohnungen gebaut werden, damit die Gebäude erhalten bleiben“, erklärt Pfarrerin Gisela Estel. Baukirchmeister Günter Fischer bestätigt, dass derzeit mit einem Investor verhandelt werde. „Der Umzug der Gruppen aus dem Haus hat keine Eile“, betont er. Der Kindergarten verbleibt bis August 2014 im Hause. Dieser zieht in einen Neubau in der Nachbarschaft.