Landtagsabgeordneter warnt vor „Terrorwerkstatt“ in Bochum

Michael Weeke
Auf dem Gelände dieses verwinkelten Hinterhof- Gewerbegebietes an der Robertstraße in Bochum-Hamme sollen sich Salafisten treffen. Es gibt Hinweise, dass dort eine Art Moschee betrieben oder aufgebaut werden soll
Auf dem Gelände dieses verwinkelten Hinterhof- Gewerbegebietes an der Robertstraße in Bochum-Hamme sollen sich Salafisten treffen. Es gibt Hinweise, dass dort eine Art Moschee betrieben oder aufgebaut werden soll
Foto: FUNKE Foto Services / Olaf Ziegler
  • Landtagsabgeordneter Serdar Yüksel hat Hinweise auf ein salafistisches Treiben in einem Bochumer Hinterhof
  • Auf dem Gewerbegebiet an der Robertstraße in Hamme würden sich zwielichtige Personen treffen
  • Auch die Arbeitsgemeinschaft Bochumer Moscheen blickt mit Sorge auf diesen Treffpunkt

Bochum. Die ganz konkrete Gefahr einer sich bildenden salafistischen Zelle sieht Serdar Yüksel, Bochumer SPD-Landtagsabgeordneter, an der Robertstraße in Hamme heraufziehen. „Ich habe Informationen, dass sich dort eine nicht unbeachtliche Zahl von Aktivisten trifft.“ Die Polizei will nichts Konkretes wissen, „Es gibt keine Hinweise auf eine Moschee oder die Gründung einer solchen“, heißt es. Sie beobachte allerdings die Situation dort ganz genau.

Wie konkret und offenbar in bestimmten Kreisen bekannt die gefährliche Entwicklung in diesem Hinterhof-Gebiet im Schatten des Ruhrschnellwegs ist, bestätigt dieser Redaktion auch ein Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Bochumer Moscheen. „Ich mache mir große Sorgen. Es gibt dort einen Raum, wo sich bestimmte Leute treffen.“ Ob es eine Art Moschee ist, die dort im Aufbau begriffen ist oder eine andere Form der Versammlungsstätte, so genau scheint dies heute niemand zu wissen.

Salafisten würden mittlerweile Mafia-Methoden kopieren

„Ich bin mir ganz sicher. Die Leute treffen sich da nicht nur zum Beten“, sagt Serdar Yüksel, der seit Jahren die salafistische Szene in dieser Stadt ganz genau beobachtet. Die Sicherheitsbehörden habe er ausführlich informiert, er könne sogar Namen nennen, denn hier „handelt es sich um eine ganz neue Form der Finanzierung solcher Umtriebe“.

Sei bisher das gängige Finanzierungsmodell der Salafisten, die Weiterleitung von Spendengeldern für scheinbar legale Zwecke, die Praxis gewesen, gingen nach Informationen Yüksels die Drahtzieher nun zu eher mafiösen Modellen über. Ganz konkret gebe es etwa Mobilfunk-Geschäfte, Shisha-Bars oder Autovermietungen in die investiert werde, so dass die Herkunft der Gelder nur schwer zurück zu verfolgen sei.

Nachbarn haben bisher nichts ungewöhnliches bemerkt

An der Robertstraße bekommt die Nachbarschaft wenig bis gar nichts mit von den Umtrieben dort. Die Bezirksvertreterin Elvira Rühlemann etwa, die ganz in der Nähe wohnt, kennt zwar das Gebiet rund um das ehemalige Kühlhaus, von irgendwelchen Versammlungen hat sie aber nichts gehört. Es gibt eine unübersichtliche Gemengelage von Lagerhallen, Reifenhändlern, einer Autowerkstatt und einem Fitnessstudio. Ein gutes Dutzend Firmen ist dort registriert. Zwischen abgemeldeten Autos wuchert Unkraut, irgendwo bellt ein Hund. Menschen sind nicht zu sehen.

Nicht tatenlos zusehen will Serdar Yüksel, während dort ein ähnlicher Treffpunkt heranwächst, wie es ihn jahrelang an der Alleestraße mit der ebenfalls vom Verfassungsschutz beobachteten Missionierungsgruppe Tablighi Jama’at gegeben hat. Der Landtagsabgeordnete will schon nach den Sommerferien ein gemeinsames Treffen von Polizei, Stadt und anderen Personen einberufen, um ein koordiniertes Vorgehen zu besprechen. Hier sei das Bauordnungsamt (etwa im Falle einer Zweckentfremdung eines Gebäudes) genauso gefragt wie die Polizei oder andere staatliche Stellen.