Kunst trifft auf Konzerte

Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Nachhaltigkeit hatte sich die Kulturhauptstadt Ruhr.2010 auf die Fahnen geschrieben, in Stiepel hat das funktioniert. Im Landschafts- und Architekturensemble der Dorfkirche wird zum vierten Mal der Kultursommer begangen. Auch diesmal ist es der ansässigen evangelischen Kirchengemeinde in Kooperation mit dem Bundesverband Bildender Künstler Westfalen e.V. gelungen, Musik, Sprache und Bildende Kunst spannend miteinander zu verbinden.

Die Kunstausstellung durchdringt den Spielort. Sie ist sowohl im Kirchhof als auch in Kirche und Gemeindehaus gegenwärtig. Konzeptionell sind meist Werke ausgestellt, die einen Bezug zur Musik haben, oft sogar zu der, die in den vielen Konzerten gespielt wird. Ein größerer Zyklus im Gemeindehaus bebildert Modest Mussorgskijs „Bilder einer Ausstellung“ - quasi eine Umkehrung der Entstehungsgeschichte der populären Programmmusik, die ihrerseits als Reaktion auf eine Bilderausstellung entstanden war.

Spielende Bleifiguren

Den berühmten Part der spielenden und streitenden Kinder in den „Tuilerien“ aus Mussorgskijs Programmmusik hat etwa Bernd Figgemeier mit kleinen Bleifiguren kunstvoll Ausdruck verliehen. Eindrucksvoll auch der „Marktplatz von Limoges“, den Petra Eckardt als Ensemble von Miniaturmarktständen visualisiert hat.

Eine andere musikalische Anregung ist „Die schöne Magelone“. Tiecks Romantik-Prosa, von Brahms 1859 vertont. Die Schauplätze inspirierten Klaus Nixdorf zu fein strukturierten grünen Landschaftsimpressionen auf Papier in Acrylfarben und mit Graphitstift.

In der Dorfkirche zeigt sich die Ausstellung zurückhaltend, wenige Exponate setzen Akzente im 1000 Jahre alten Gotteshaus. Hier sticht Udo Unkels „Seefahrer“ ins Auge, eine filigrane Edelstahlarbeit, elegant fast. Alfons Körbels Arbeit „Bergpredigt“, eine meditativ-schwere Installation aus Sandstein und Eichenblöcken, bildet einen interessantes Gegenpart. Auf dem Kirchhof fällt die Arbeit „vergessen?“ auf. Christoph Werdelmann, dessen tolle Arbeit „Kopf-stein-Pflaster“ aus 2012 weiterhin im Kirchhof zu sehen ist, hat 20 weiße Holzkreuze zwischen den historischen Grabstätten drapiert. Darauf die Ein-Wort-Frage „Vergessen?“. Auf manchen gibt es dazu Vorschläge. Einer nennt „Opel“.

Eine spannende Arbeit will nicht ganz ins Konzept passen, sie steht auch etwas abseits, versteckt im Gemeindehaus. Sie ist ebenfalls vom Dortmunder Udo Unkel. „Automat“ nennt sich der Aufsteller im Stile alter Kaugummiautomaten. Wer einen Euro übrig hat, kann diesen in den Schlitz stecken, das Rad drehen - und bekommt dann einen in einer transparenten Plastikkugel enthaltenen Mini-Jesus.

 
 

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