Kunst mit Wow!-Effekt

Museumsleiter Dr. Hans Günter Golinski und Unternehmer und Kunstsammler Frank Hense vor Bildern von Justine Otto.
Museumsleiter Dr. Hans Günter Golinski und Unternehmer und Kunstsammler Frank Hense vor Bildern von Justine Otto.
Foto: WAZ FotoPool / Ingo Otto
Das Kunstmuseum zeigt die Sammlung eines Bochumer Bürgers: Frank Henses Besitz ist unter dem durchaus treffenden Titel „Additionen der Gegenwart“ zu erleben. Eine sehenswerte Schau.

Bochum. Wow! – Das Signalwort muss in Frank Henses Kopf aufscheinen, wenn er Kunst kaufen soll. Der „Wow!-Effekt“ mag sich auch bei den Besuchern der Schau „Additionen der Gegenwart“ einstellen, die nun gut 120 Werke aus der Sammlung des Bochumer Unternehmers Hense im Kunstmuseum zeigt. Denn sie ist oft bunt, knallig und sinnlich, doch beileibe nicht ohne Momente der Melancholie.

Schon seit den 80er Jahren sammelt der Spross eines Ingenieurs-Familienunternehmens für hydraulische Schwenkmotoren, das in Riemke seinen Sitz hat, Kunst. 350 Werke hat er angesammelt, zumeist aus Deutschland und Europa, viele davon finden sich in den Räumen seiner Firma. Museumsdirektor Dr. Hans Günter Golinski ist sich deshalb sicher, es mit einem Mann zu tun zu haben, der „mit der Kunst leben will“.

Jenseits künstlerischer Ismen

Und deshalb sei die Sammlung „unkonventionell, jenseits künstlerischer Ismen“ und auch „aus dem Bauch heraus“. Zuschreibungen, denen Hense nicht widerspricht.

Dennoch sind rote Fäden zu erkennen. Zunächst formal. Es gibt viel figurative-narrative Malerei, gerne großformatig. Hier zu nennen sind als besonders eindrucksvoll die Bilder von Justine Otto, die, so Hense, versuche „zu malen wie T.C. Boyle schreibt“. Die Liebe zum Schriftsteller teilt der Sammler mit der Malerin, der Museumsbesucher kann sich an einer ganzen Wand surrealistisch-verrätselter Otto-Kunst delektieren.

Ein anderer „Liebling“ des Sammlers: Thorsten Passfeld (geboren 1973 in Dinslaken), der mit einigen sehr pointierten und schriftfixierten Arbeiten aus Holz sehr präsent vertreten ist. Solche jungen, durchaus erfolgreichen Positionen stehen dabei neben einigen echten Kunst-Stars: ein paar Fotos von Helmut Newton korrespondieren dabei mit Gemälden Martin Eders, und auch die kleine Serie von Mel Ramos’ Pin-Up-Pop-Art hat glamouröse Prominenz erlangt - etwa dadurch, dass die hier unbekleidet dargestellte Claudia Schiffer erfolgreich klagte und Henses zuvor erworbenen Besitz somit zur Rarität adelte.

Werken mit Witz und Humor

Zur nicht unbeträchtlichen Anzahl von Werken mit Witz und Humor gehören dagegen Gregor Gaidas Figuren, etwa jener Junge, der einen Strich auf den Boden malt – üblicherweise tut er das sogar im Bürotrakt von Henses Firma — oder auch Gaidas „Flaggenschwenker“.

Es gibt also viel zu entdecken, viel zu sehen, viele Effekte. Eine ungewöhnliche Schau, die vor allem einen wachen Blick verrät.

 
 

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