Kunst bildet viele Jahresringe aus

Foto: Ingo Otto

Im Schlieker-Haus lassen sich stets interessante Kunst-Entdeckung machen, das gilt für die neue Ausstellung besonders: Der Bochumer Künstlerbund ist zu Gast, mit Werken von früheren und aktuellen BKB-Künstlern. Hier kann man (Wieder)Entdeckungen machen!

Galeristen Claudia Schlieker-Buckup bewahrt im Atelierhaus das Andenken und den künstlerischen Nachlass ihres Vaters, Hans-Jürgen Schlieker, einem der profiliertesten Ruhr-Künstler seiner Zeit. Er war von 1964 bis 1977 Vorsitzender des BKB, so kam es zu der Überlegung, aus Anlass des 70. Geburtstags des Künstlerbundes eine Ausstellung zwischen gestern und heute zu organisieren. Eingeladen werden sollten heutige BKB-Künstler, gezeigt werden sollten aber auch Werke jener, die nicht mehr unter uns sind.

Farbsatte Großformate

Zu den Künstlern der Vergangenheit, deren Arbeiten in den unteren Räumen zu sehen sind, gehört Kuno Gonschior (1933-2010), Friedrich Gräsel (1927-2013) und natürlich Hänner Schlieker (1924-2004). Jeder für sich hatte seine Handschrift gefunden und entwickelt, verbindend steht zwischen den so verschiedenen Werken die ausgeprägte Selbstbehauptung künstlerischer Kraft.

Gonschiors getupfte Leinwände haben eine fast physische Ausdruckskraft, Schliekers abstrakte Bildwelten erzeugen eine Sogwirkung und Gräsels Skulpturen können filigran und kompakt zugleich wirken, wie wundersam. Weitere, heute leider fast vergessene Künstler, die mit sehenswerten Werken vertreten sind, sind Robert Imhof (1925-1996) und Heinz Sauerland. Auch die im Frühjahr verstorbene Angelika Herker (1951-2016) ist mit ihren typischen, poetisch- organischen Exponaten vertreten.

Großartig ist auch der obere, weite Galerieraum bestückt. Hier sind es vor allem die farbsatten Formate von Uta Hoffmann (*1962), die als Blickfang wirken. Diese Gemälde sind dazu angetan, sich förmlich in der Malerei zu verlieren. Wie durch farbige Schluchten und Gebirge mag das Auge des Betrachters durch Hoffmanns Bildwelten wandern. Freie Malerei von Gretel Schmitt-Buse (*1943), puristische, feingliedrige Zeichnungen von Johannes Buchholz und mal poesievolle, mal versponnene Skulpturen von Gabriele Schmitz-Reum (*1943) runden den Teil mit aktuellen BKB-Arbeiten ab.

Die sehenswerte Ausstellung verweist einerseits auf ein früheres künstlerisches Schaffen, das immer noch aktuell ist; gleichzeitig tun sich neue Blickwinkel im Spannungsfeld mit zeitgenössischen Positionen auf. Sehr zu empfehlen!

 
 

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