Kulturzentrum mahnt Zuschüsse an

Die Beschäftigten des Bahnhofs Langendreer protestieren.
Die Beschäftigten des Bahnhofs Langendreer protestieren.

Bochum.. Der Kulturbahnhof Langendreer beteiligt sich an der „Neidkampagne“ der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur NRW, die zum „Tag der Soziokultur“ am 13. Oktober ins Leben gerufen worden war.

„In unserer Forderung um eine bessere finanzielle Ausstattung der Kulturzentren wurden wir immer wieder gewarnt, eine ,Neiddebatte’ zu führen. Und eben nicht Soziales oder Jugend gegen Kultur auszuspielen. In der Kultur würden alle im gleichen Boot sitzen. Aber das ist nicht so. Manche sitzen in der Titanic, andere im Schlauchboot“, bringt Uwe Vorberg vom Bahnhofskollektiv die Thematik auf den Punkt.

Die fast 40-jährige Geschichte der soziokulturellen Einrichtungen – inzwischen gibt es über 100 Häuser allein in NRW, natürlich nicht alle so groß wie der K-Bahnhof – ist vor allem wegen des Umfangs und der Vielfalt der dort gefahrenen Angebote eine Erfolgsstory. In den soziokulturellen Zentren von Nordrhein-Westfalen finden mehr als 13.500 Veranstaltungen pro Jahr statt. Dazu kommen fast 2.400 regelmäßige Angebote. Mehr als 5 Millionen Menschen besuchen jährlich die Veranstaltungen und Angebote, jede/r fünfte ist unter 20 Jahre alt, betont die Landesarbeitsgemeinschaft in einem NRW-weit verschickten offenen Brief.

Zahlen und Einschätzungen, die auch auf den Kulturbahnhof zutreffen. Am Wallbaumweg kann man/frau Musik, Theater, Film, Kabarett, Tanz, Ausstellungen und Lesungen besuchen, aber auch an Diskussionsrunden teilnehmen oder Theaterworkshops. „Wir sind kein reines Veranstaltungszentrum, sondern gestalten das Lebensumfeld in Bochum aktiv mit“, betont Uwe Vorberg. Leider schlüge sich dieser gesellschaftliche Beirag nicht in der finanziellen Ausstattung durch Zuschüsse aus den öffentlichen Haushalten nieder. „Die allermeisten Zentren in NRW sind in finanziellen Schwierigkeiten, das ,Hundertmeister’ in Duisburg ist inzwischen pleite“, sagt Vorberg.

Der Bochumer Kulturbahnhof wird von der Stadt mit 340.000 Euro im Jahr unterstützt, allerdings ist die Förderung wegen der desolaten Haushaltslage um 10 Prozent ’runtergefahren worden, so dass aktuell 310.000 Euro p.a. zur Verfügung stehen. 14 feste und 50 freie Mitarbeiter müssen bezahlt werden, insgesamt macht das Haus inkl. Gastronomie einen Jahresumsatz von 1,5 Mio Euro. „Wir haben hier genauso die Wirtschaftskrise gespürt, auch werden wegen Auflagen für Brandschutz und Umbauten Investitionen fällig“, so Vorberg. Auch wenn die Lage noch nicht „dramatisch“ sei, müsse der Bahnhof Langendreer regelmäßig um eine solide finanzielle Förderung kämpfen. „Deshalb haben wir uns an der ,Neidkampagne’ beteiligt“, sagt Vorberg. Außer dem Kleben von Plakaten steht eine Postkartenaktion zur Information der Ratsabgeordneten ins Haus. In den nächsten Wochen soll über das weitere Vorgehen beraten werden.

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