Künstlerin inszeniert Stadtgeschichte nach

„Topographische Versprechungen" macht  Almut Pape im Untergeschoss der Drehscheibe.
„Topographische Versprechungen" macht Almut Pape im Untergeschoss der Drehscheibe.
Foto: WAZ FotoPool / Ingo Otto
Bochum.In einer Theater-Installation im Untergeschoss der Drehscheibe unterzieht Almut Pape öffentliche Eröffnungs-Zeremonien einer ebenso genauen und wie unterhaltsamen Betrachtung

Schildkrötensuppe war lange das Signal für Festlichkeit in Bochum. Sie wurde gereicht zur Eröffnung der Jahrhunderthalle 1902 wie auch bei der Einweihung der Ruhr-Universität. Ein skurriles Detail, das die Performance-Künstlerin Almut Pape herausgefunden hat und das in ihre Arbeit „Topographische Versprechungen - Selbsterzählungen einer Stadt“ einfließt, die am Wochenende in einem Ladenlokal im Untergeschoss der Drehscheibe (Bongardstraße) zu sehen sein wird. Eine sehr sehenswerte Installation - für Kunstinteressierte, wie auch für Menschen mit Interesse an Stadthistorie.

Performative Annäherung an historische Momente

Auf weit über 100 Quadratmetern befasst sich die 28-jährige RUB-Studentin in ihrer Abschluss-Performance im Master-Studiengang „Szenische Forschung“ auf zwei inhaltlichen Ebenen mit „Eröffnungen“. Einerseits hat sich die seit sieben Jahren in Bochum lebende junge Künstlerin rechercheintensiv mit historischen „Eröffnungen“ von Bauwerken und Institutionen in Bochum beschäftigt. Mit dem Ritual, der (fast theatralen) Inszenierung: „Sehr geehrte Damen und Herren, wir hier in Bochum sind stolz und froh, an diesem Tag…“ und so weiter. Reden, Gratulationen, Snacks und Sekt sowie allerseits Stolz und Hoffnung. Oft im exklusiven Kreis, mal formaler, mal lockerer. Auf der zweiten Ebene geht es Pape wiederum um eine eigene szenische Abbildung der Geschehnisse, um eine performative Annäherung an diese historischen Momente und damit um eine Freilegung ihres Gehalts.

Und so hat sie im riesigen Ladenlokal (das ihr das Center-Management dankenswerter Weise überließ) eine Art Parcours entworfen, der multimedial den Gründungsveranstaltungen von Ruhrpark, Musikzentrum, Ruhr-Universität, U35, Jahrhunderthalle, Stadtbad (1952 und 2002) und Exzenterhaus nachspürt. Mit Requisiten stellt sie an den einzelnen Stationen visuelle - metaphorische oder konkrete - Bezüge her, Schauspieler agieren an einigen Stelle und Originaltonmaterial wird über ein tragbares Radio zugespielt.

Unterhaltende Detailfülle

Die Detailfülle der Erkenntnisse verblüfft und unterhält. So hat Pape etwa herausgefunden, dass im Stadtbad 1952 noch acht (französische!) Synchronschwimmerinnen durchs Becken turnten, bei der Neueröffnung des Bades 2002 waren es noch zwei Nixen. 2014 in der Drehscheibe wird es dann nur noch eine Performerin sein, deren „Synchronizität“ dann allerdings mit Spiegeln hergestellt wird.

Natürlich wird auch diese Schau eröffnet: Ganz konsequent wird Almut Pape das täglich tun. Mit Sekt und Rede und Feierlichkeit. Nur auf Schildkrötensuppe wird verzichtet.

Große Eröffnung: Freitag, 7. März, 17 Uhr; letzte große Eröffnung: Dienstag, 11. März, 14 Uhr.

Öffnungszeiten: Freitag 17 bis 21, Samstag, Montag und Dienstag: 14 bis 18 Uhr;

Mitarbeit: Ariane Trümper, Julia Nitschke, Pascal Bovée und Klaas Werner.

Performer: Josephine Rose Habermehl, Mina Novakova und Manuel Zauner

Förderer: NRW Landesbüro für freie Kultur, Kulturbüro der Stadt. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.

 
 

EURE FAVORITEN