Kritik an den Bürgerbüros in Bochum ebbt nicht ab

Andreas Rorowski
Warten auf den nächsten freien Mitarbeiter. Im Wartezimmer des Bürgerbüros Mitte hat sich die Situation mittlerweile entspannt. Ein Ärgernis bleibt es zum Teil, einen Termin innerhalb weniger Tage zu bekommen.
Warten auf den nächsten freien Mitarbeiter. Im Wartezimmer des Bürgerbüros Mitte hat sich die Situation mittlerweile entspannt. Ein Ärgernis bleibt es zum Teil, einen Termin innerhalb weniger Tage zu bekommen.
Foto: Dietmar Wäsche
  • Lange Schlangen wie noch im Sommer gibt es nicht mehr vor den Bürgerbüros in Bochum
  • Die Kritik an zu langen Wartezeiten auf Termine ebbt aber trotzdem nicht ab
  • Spätestens im ersten Quartal 2017 soll sich die Situation deutlich verbessern, so die Stadt

Bochum. Schlangen gibt es immer noch im Bürgerbüro. Genau genommen sind es am späten Montagmorgen zwei mit jeweils einer Hand voll Menschen vor den Serviceschaltern im Eingangsbereich des Bürgerbüros Mitte im Rathaus. Derweil wartet ein weiteres Dutzend Personen im Aufenthaltsbereich darauf, zum vereinbarten Termin beim Sachbearbeiter vorgelassen zu werden.

Sieben Minuten dauere das im Durchschnitt nur noch, berichtet Thomas Sprenger. Im Juli habe die Wartzeit vor Ort noch 19 Minuten betragen. „Die Situation in den Bürgerbüros hat sich im Vergleich zu den Monaten Juni/Juli etwas entspannt“, so der Stadtsprecher. Damals hatten sich öfters tumultartige Szenen in überfüllten Bürgerbüros abgespielt. Unter anderem hatte dafür das erhöhte Kundenaufkommen zur Reisezeit gesorgt.

Keine Tumulte mehr wie im Sommer

Tumulte bleiben dieser Tage aus. Die Verwaltung meldet Wartezeiten auf Termine von elf Tagen für Personalausweise und von drei Tagen für Führungszeugnisse. Aber das sind offenbar Momentaufnahmen, die manchmal weit an der Realität vorbei gehen. „Nicht selten warten unsere Mentoren sechs Wochen auf einen Termin, um ein Führungszeugnis zu beantragen und damit ehrenamtlich tätig werden zu dürfen“, beklagt Gerhard Müller, Vorstandsmitglied des Vereins Mentor Bochum, in dem 450 Ehrenamtliche Kindern und Jugendlichen helfen, Lesen zu lernen. Mehrere WAZ-Leser haben ähnliche Erfahrungen gemacht, wie sie der Redaktion berichteten.

Tatsächlich ist auch die Verwaltung noch nicht zufrieden mit den bisherigen Fortschritten. Beschwerden betreffen in erster Linie zu lange Wartezeiten auf einen Termin. „Dass das immer mal wieder länger dauern kann, wollen wir nicht ausschließen. Aber sechs Wochen sind es definitiv nicht“, sagt Stadtsprecher Sprenger, räumt aber auch ein: „Wir müssen und wir werden noch besser werden.“ Einen spürbaren Schub werde es im ersten Quartal 2017 geben, wenn die zusätzlichen zehn Mitarbeiter geschult seien.

Nagelprobe kommt im Sommer

98,11 Vollzeitäquivalente, in etwa gleichzusetzen mit Arbeitsplätzen, gibt es mittlerweile in den sechs städtischen Bürgerbüros, Anfang des Jahres waren es noch 89,5. Und diese knapp 100 Kräfte haben gut zu tun. 692 Kunden sind allein im Oktober täglich in die Büros gekommen und haben 1610 Anliegen vorgebracht; wöchentlich waren es 3460 (8047) und im gesamten Monat 13 840 Personen mit 32 190 Anliegen. Sprenger: „Das ist eine Menge Arbeit und zeigt, dass sich die Mitarbeiter in den Bürgerbüros richtig ins Zeug legen.“

Dennoch stehen auch die Arbeitsabläufe im Bürgerbüro auf dem Prüfstand. Eine Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der Frage, wie der gesamte Bürgerservice der Stadt optimiert werden kann. Das Ziel: „die Situation für Bürger und Mitarbeiter verbessern“. Wie immer das aussehen mag. Spätestens im Sommer 2017 wird in den Bürgerbüros die Nagelprobe kommen, wenn zur Reisezeit das Kundenaufkommen in die Höhe schnellen dürfte.