Kraft will Bochum zum Standort für Brennstoffzellen machen

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft will das Auto der Zukunft nach NRW holen, am liebsten nach Bochum. Das sagte sie im kanadischen Vancouver bei einem Besuch des Mercedes/Ford-Entwicklungslabors für Brennstoffzellen.

Vancouver/Bochum. Nordrhein-Westfalens Regierungschefin Hannelore Kraft will das Auto der Zukunft nach NRW holen, am liebsten nach Bochum. Das sagte sie im kanadischen Vancouver bei einem Besuch des Mercedes/Ford-Entwicklungslabors für Brennstoffzellen. Der dortige Firmenchef Andreas Truckenbrodt erklärte, natürlich könnten in Bochum Brennstoffzellen produziert werden: „Das könnte eine Option sein.“ Allerdings würde Mercedes kaum komplette Autos in Bochum fertigen. Das erste Mercedes Brennstoffauto soll eine B-Klasse sein. Die fertigt die Edelautofirma in Rastatt.

Brennstoffzellen für Autos werden seit rund 20 Jahren entwickelt. In Vancouver begann die Arbeit an dem Auto der Zukunft. In die komplizierte Entwicklung stecken die Autofirmen Milliarden. Die Serienreife erhoffen sie sich für 2017. Von da an sollen binnen fünf Jahren rund 100 000 von insgesamt über 80 Millionen Neuwagen mit Brennstoffzelle verkauft werden.

Allerdings sind die Probleme groß. Noch sind die Autos sehr teuer, noch ist nicht klar, wie sich ein verbrauchernahes Tanknetz für den notwendigen Wasserstoff aufbauen lässt. Jedenfalls hat Toyota das erste Brennstoffzellen-Auto für das Jahr 2015 angekündigt. Es soll rund 100 000 Euro kosten. Bis 2015 sollen auch die ersten 50 Tankstellen deutschlandweit in Betrieb sein, davon sieben in NRW. In Düsseldorf steht die erste öffentliche Tankstelle in NRW, an der sechs Brennstoffzellen-Fahrzeuge betankt werden. Sie werden von Unternehmen in Düsseldorf und der nordrhein-westfälischen Energie-Agentur unterhalten.

Kraft kann sich eine nicht für Brennstoffzellenautos geltende Citymaut vorstellen

Das Brennstoffzellen-Auto gilt als das Zukunftskonzept schlechthin. Die in Europa verlangten immer niedrigeren Grenzwerte für Emissionen des Treibhausgases CO2 werden sich am Ende nur mit anderen Antrieben erreichen lassen, eben mit der Brennstoffzelle, ist Kraft überzeugt. Diese Autos sind, anders als Benzin- oder Diesel oder Hybrid-angetriebene Autos, mit ihrem Elektromotor im Betrieb völlig frei von klimaschädlichen Emissionen. Aus der Strom erzeugenden Brennstoffzelle entweicht beim Betrieb mit Wasserstoff nur reines Wasser.

Den Standort Bochum brachte Kraft dem Mercedes/Ford-Management in Vancouver gegenüber ins Gespräch, weil im Revier 2014 die Opel-Produktion ausläuft. Im Ruhrgebiet lebten mehr als fünf Millionen Menschen. Wenn das Brennstoffzellen-Auto hier funktioniere, dann überall in der Welt.

Kalifornien nimmt Autobauer in die Pflicht

Die Entwickler arbeiten mit Hochdruck, aber eine Verringerung der Kosten ist nur über die Masse gebauter Autos erreichbar. Und die hängt am Preis. Der muss mindestens vergleichbar sein mit Hybrid-Autos, die wiederum ca. 3500 bis 4000 Euro teurer sind als Benziner oder Diesel. Wie kann Politik die Bevölkerung zum Umsteigen bewegen?

Ein Beispiel liefert Kalifornien. Der US-Staat hat die Auto-Hersteller verpflichtet, in Zukunft acht Prozent ihrer Fahrzeuge mit der Brennstoffzelle auszustatten. Ein anderes Beispiel liefert London. In die Innenstadt dürfen umsonst nur Elektroautos hinein fahren, solche mit konventionellem Antrieb zahlen horrende Preise für dieses Privileg. Eine solche Verpflichtung für die Hersteller oder eine Citymaut kann sich auch Hannelore Kraft vorstellen.

 
 

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