Herne

Kobra in Herne: Gute Nachricht für Anwohner – die Sache hat nur einen Haken

Eine ausgebüxte Kobra sorgt für Ausnahmezustände in der Bruchstraße in Herne. Ein Anwohner beklagt den Trubel vor seiner Haustür und bedauert die Betroffenen, die wegen der Giftschlange nicht in ihre Häuser kommen.

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Herne. +++ EDIT +++ Die Giftschlange von Herne wurde gefangen. Am Freitagabend gegen 18:20 Uhr wurde die Kobra von Schlangenexperten eingefangen. Am Nachmittag hatten Mitarbeiter der Straßenreinigung bei Mäharbeiten das Tier außen am Haus an einem Eingang zum Keller entdeckt. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.

Wenige Stunden zuvor hatte die Stadt Herne das Haus bereits wieder für die Bewohner freigegeben - obwohl die Schlange sich noch in unmittelbarer Nähe des Hauses befand, wie jetzt klar ist.

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Seit Tagen sorgt die ausgebüxte Kobra für Ausnahmezustände auf der Bruchstraße in Herne. Viele Anwohner sind langsam gernervt vom Trubel aus Feuerwehr, Ordnungsamt und Kamerateams vor ihrer Haustür.

Doch die giftige Kobra lockt nicht nur Behörden und Medien an. Auch zahlreiche Gaffer schleichen mit ihren Autos immer wieder an den evakuierten Reihenhäusern in Herne vorbei. Sie zücken ihre Smartphones, filmen oder schießen Fotos. Aber dabei bleibt es nicht.

Kobra in Herne: Gaffer belästigen Anwohner

Zwar hat die Stadt die Straße vor den betroffenen Häusern seit Mittwoch gesperrt. Aber das hält die Gaffer auch am Donnerstag nicht ab. „Wen würde das nicht stören?“, fragt Anette Paternostro, die wegen der Kobra ihre Wohnung verlassen musste und bei ihrem Sohn untergekommen ist.

„Da muss ich aber langsam raus, damit wir uns nicht an die Köppe kriegen“, sagt die Hernerin. Wegen ihr muss ihre älteste Enkelin derzeit im Zimmer der beiden kleinen Geschwister schlafen. „Die sagen natürlich alle, das sei nicht schlimm. Aber ich möchte denen ja nicht ewig zur Last fallen“, sagt Paternostro, die sich, wie andere Betroffene, um ein Hotel-Zimmer bemühen will.

Neben ihr auf einem Campingstuhl sitzt ein weiterer Betroffener, der nicht namentlich genannt werden möchte. Er konnte es beim Blick in seinen Hinterhof am Abend kaum fassen: „Da war eine Familien mit Kindern, die mit Taschenlampen unterwegs waren.“ Für ihn nicht nur unverantwortlich, sondern auch vollkommen respektlos.

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Nachbar in Sorge: „Ist das nicht gefährlich?“

Jürgen Stanislawski, Nachbar von gegenüber, äußert Mitgefühl für die Betroffenen. Vor allem die Aussicht, dass eine Bekämpfung der Kobra mit einem Biogas in Aussicht gestellt wird, macht dem Rentner Sorgen. Wenn das Gas für Schlangen tödlich sei, „ist das für Menschen nicht auch gefährlich?“, fragt er.

>>> Alle Entwicklungen im Fall der ausgebüxten Kobra in Herne liest du hier in unseren Newsblog >>>

Diese Ungewissheit sei belastend, nicht für ihn selbst, sondern vor allem für die betroffenen Anwohner. Angst vor der Schlange habe er keine. Auch in der erweiterten Nachbarschaft nicht. Auf der Straße wird eher geflachst: „Na, heute schon 'ne Kobra gesehen?“ Eine Sache beschäftigt jedoch alle: Wer zahlt das hier alles?

Kosten drohen zu explodieren

Dem Vernehmen nach soll der mutmaßliche Halter der Schlange arbeitslos sein und von Hartz 4 leben, behaupten Nachbarn.

Selbst wenn ihm nachgewiesen werden könnte, dass die Kobra aus einem seiner Terrarien ausgebüxt ist, drohen die Kosten an der Stadt Herne hängenzubleiben. Ein Umstand, der Betroffene und Nachbarn reichlich wütend macht.

Am Freitagnachmittag hat die Stadt Herne nun den 30 betroffenen Bewohnern des Hauses, in dem die Schlange vermutet wird, angeboten, in ihre Wohnungen zurückzukehren.

Bislang aber habe sich noch keiner gemeldet, der das möchte: Ein unheimliches Gefühl bleibt offenbar. Die Feuerwehr kann auch nur bei 14 der 18 Wohnungen ausschließen, dass sich dort die Schlange befindet. Bei den anderen vier Wohnungen sei es theoretisch möglich, dass die Kobra sich irgendwo in den Heizungsrohren aufhält.

In den Keller und den Dachboden des Hauses dürfen die Bewohner ebenfalls nicht - denn auch dort könnte das Tier immer noch sein. (mit vh)

 
 

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