Kneipenviertel als Vorbild

Sabine Vogt
Foto: Hans Blossey

England und USA sind die Heimatländer privater Stadtentwicklungsinitiativen. In den Innenstädten und Stadtteilzentren sind Geschäftsleute und Eigentümer bemüht, gegen die Verödung durch Leerstände anzugehen.

Die ISG Bermuda3Eck (Immobilien- und Standortgemeinschaft) war eine der ersten in Nordrhein-Westfalen, die sich dieses Thema zu eigen machten (2004 gegründet); und eine der wenigen, die bis heute Bestand haben. Deshalb fand jetzt der zweitägige BID-Bundeskongress im Bermuda-Dreieck statt. BID (Business Improvement Districts) werden diese privaten Initiativen international bezeichnet.

Die ISG Bermuda3Eck gilt als Vorbild. Immobilieneigentümer, Gastronomen und Gewerbetreibende stellen gemeinsam Projekte auf die Beine, um dem Kneipenviertel wieder die alte Magnetwirkung zurückzugeben.

Das Dreieck hatte einst eine regionale Alleinstellung, doch seither ist ringsum Konkurrenz erwachsen. Mit kleinen Maßnahmen wie tägliche Müllentsorgung, mehr Veranstaltungen und Quartiersmanagement versucht die Gemeinschaft, Bochums Ausgehmeile wieder zu einer Adresse zu machen. „Das Bermuda3Eck kann als Ganzes kaum schöner, dafür umso einmaliger werden“, so formulierte es Raumplaner Arnold Voß in seinem Positionspapier im Auftrag der ISG.

Der zweitägige Kongress im alten Katholikenbahnhof zielte darauf, „der Region zu zeigen, was möglich ist“, so Stefan Postert (IHK mittleres Ruhrgebiet). Adressaten waren vor allem die Protagonisten rund um Stadtentwicklung, Teilnehmer vorhandener oder geplanter ISG, Gewerbetreibende und Immobilienbesitzer. „Ein Spiegelbild privater und öffentlicher Zusammenarbeit“, so Postert.

Bemühungen gibt’s zuhauf, auch in Bochum. Die Anlieger des Boulevard streben eine ISG-Gründung an, ebenso die der Kortumstraße. Der erste Anlauf im Quartier indes ist gescheitert. Postert: „Es gibt dort viele Eigentümergemeinschaften, die sich nicht einig werden konnten.“

Dabei böten gesetzliche ISG ihren Mitgliedern viele Vorteile, wie den Solidareffekt: „Trittbrettfahrer lassen sich damit vermeiden, denn laut Satzung müssen, wenn nicht 25 Prozent abgelehnt haben, alle in Projekte einzahlen. so dass auch alle Nutznießer sind.“ Dabei legen die ISG ihr Finanzkonzept bei Antragstellung selbst fest. In Flensburg etwa brachten Privatleute vier Millionen Euro auf, um ihre Fußgängerzone zu erneuern. Der kleinste Beitrag kam aus Rensburg mit 3000 € für die Weihnachtsbeleuchtung.

„Es gibt keine Mindeststandards, auf der anderen Seite aber wollen wir natürlich nicht die Stadt aus der Pflicht nehmen“, erklärt Postert, der dem Aufsichtsrat der ISG Bermuda3Eck angehört.

So zeigten deren Vorstandsmitglieder Dirk Steinbrecher und Daniel Voß den internationalen Gästen (auch Vertreter aus Philadelphia, USA, und London, England, waren dabei) ihr Dreieck und dessen weitere Entwicklung.

Dabei blicken die Gastronomen und Gewerbetreibenden hoffnungsfroh auf den mehrfach verschobenen Umbau des Konrad-Adenauer-Platzes samt künstlerischer Installierung der Impulsbühne aus dem Workshop Licht. Die Haushaltssperre der Stadt stand der Realisierung bislang im Weg. Aktuell geht es um die Fertigstellung der Modernisierung des Parkhauses P8 am KAP. Die EGR nimmt dazu vier Millionen € in die Hand.