Kliniken richten sich auf Migranten ein

Foto: Ingo Otto
Immer mehr Patienten in Krankenhäusern haben ausländische Wurzeln. „Viele Kliniken haben sich darauf aus- und eingerichtet. Es bleibt aber noch eine Menge zu tun“, sagte Reinhard Brücker, Vorstandsvorsitzender der BKK vor Ort, am Freitag bei der Vorlage einer aktuellen Studie.

Bochum. Jeder sechste Klinik-Patient in Nordrhein-Westfalen hat einen Migrationshintergrund. Tendenz: steigend. Wie ist um die „Kultursensibilität der Krankenhäuser in NRW“ bestellt? Die BKK vor Ort mit Sitz in Bochum und das Gesundheitsministerium ließen diese Frage erstmals in einer Studie beantworten. Das Deutsche Krankenhausinstitut verschickte Fragebögen an 357 Allgemeinkrankenhäuser. Zwar nahmen nur 57 Einrichtungen teil. „Die Resultate sind dennoch repräsentativ“, betonte BKK-Chef Brücker im Gespräch mit der WAZ.

Die Ergebnisse zeigten: Die Mehrzahl der Hospitäler ist sich der Herausforderung bewusst und hat sich in den letzten Jahren auf die besonderen Bedürfnisse von Migranten eingestellt. „Es gibt Qualifizierungen für Mitarbeiter. Fast überall ist fremdsprachiges Info-Material vorhanden. Meist werden Gebetsräume für Verstorbene für unterschiedliche Religionen bereit gehalten“, würdigt Brücker.

Deutsch-türkisches Gesundheitslexikon

Bei der Zimmerbelegung indes berücksichtige nur jede zweite Klinik religiöse Aspekte der Patienten. Und: Dolmetscher kommen landesweit nur in zwölf Prozent der Krankenhäuser zum Einsatz.

In Bochum steht dieses Thema jedoch durchaus auf der Agenda. Vassilios Psaltis, Sprecher des Katholischen Klinikums, weist auf die Nutzung einer Dolmetscherliste hin: „Es arbeiten bei uns allein Mitarbeiter aus 49 Nationen. Wir haben eine Liste mit den Sprachkenntnissen der Beschäftigten erstellt. Immer wenn Bedarf ist, wird die Liste hervorgerufen, so dass direkt und kurzfristig übersetzt werden kann.“ Dem hohen Anteil türkischstämmiger Patienten werde man zudem mit einem deutsch-türkischen Gesundheitslexikon gerecht, welches auf jeder Station vorhanden sei.

Der Geschäftsführer der Augusta-Krankenanstalten, Ulrich Froese, sieht seine Häuser gleichfalls gewappnet. Aufklärungsbögen in 50 Sprachen, 17 Dolmetscher, ein Meditationsraum für alle Konfessionen, Ansprechpartner bei verschiedensten religiösen Gruppen und eine Liste mit Sprachfertigkeiten der Mitarbeiter im Intranet gehörten unter anderem dazu. „Seelsorge ist bei uns zudem auch mehrsprachig möglich“, so der Klinikleiter. Bei „exotischen Sprachen“ werde auch die Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum um Unterstützung bzw. um Übersetzer gebeten.

 
 

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